OHNE HELM WÄRE ICH JETZT TOT

Ein cycling4fans Blog von Glandon

Rheingold und Mehdorns Geist

Mittwoch 18. November 2009 von glandon

http://www.flickr.com/photos/mrsflax/

http://www.flickr.com/photos/mrsflax/

Radtransport und Bahnfahren - ein echtes Problem, besonders wenn man mit seinem  “besten Stück” quasi fest verwachsen ist. Wie schön war es doch in den Neunzigern, als ich viel und gerne Bahn gefahren bin und mit meinem hübschen Trek Aufsehen in zahlreichen Bahnhöfen der Republik erregt habe. Aber dann kam ER.

Erst schaffte er die Interregios ab, mit denen man die meisten Ziele problemlos mit Radtransport erreichen konnte. Dann schaffte er das Super-Sparpreis-Ticket ab, das einem flexibles Reisen zu fairen Preisen ermöglicht hatte.  Zu schlechter letzt mussten auch noch zahlreiche Intercity-Verbindungen dran glauben - oft indem man sie einfach zu ICEs umlabelte und die Fahrradmitnahme damit untersagt war.

Nach und nach habe ich mir dann das Zugfahren abgewöhnt, obgleich ich es ausgesprochen gerne tue. Aber wenn man sein Rad ohnehin nicht mitnehmen kann, dann ist die Reise per Mitfahrgelegenheit entschieden kostengünstiger. In den letzten Jahren habe ich nur noch sporadisch die Bahn benutzt. Nur wenn es irgendwelche Tchibo- oder Lidl-Tickets abzugreifen gab.

Neulich aber hatte mein Bruder eines der äusserst raren “Dauer-spezial”-Angebote erwischt, als ich mein altes Mütterchen vom Rheinland nach Hause transportieren musste. 49 € für zwei Personen - da kann man nun wirklich nicht meckern. Vielleicht der Beginn einer wunderbaren erneuerten Freundschaft. Also wollte ich es noch mal probieren.

Los ging es von Karl-Marx-Stadt Moritz-Mehlem-Dorf zum Hauptbahnhof. Zunächst völlig problemlos, und nebenbei noch mit einer guten Tat: ein scheinbar rüstiger Rentner wollte nach Oberwinter - und hatte keinen Schimmer, wie er zu seiner Fahrkarte aus dem Automaten kommt. ‘Das hat ER also auch noch auf dem Gewissen! Ältere Menschen sind vom öffentlichen Schienentransport praktisch ausgeschlossen’ dachte ich noch. Und am Hauptbahnhof wurde meine Laune gleich noch schlechter. Zwar ging der EC direkt vom Gleis gegenüber ab und ersparte einem lästiges Treppauftreppab mit Gepäck, allerdings war auf der Anzeigetafel bereits eine Verspätung von 20 Minuten angegeben. Und wir hatten beim nächsten Umsteigepunkt nur ein Polster von 13 Minuten.

So weit, so schlecht. Aus den avisierten 20 wurden dann reale 30 Minuten Verspätung, womit alle Hoffnung schwand, den Anschlusszug doch noch zu erreichen. ‘Erspart einem wenigstens das Gehetze’, nahm ich es fatalistisch. Aber die Wut loderte innerlich, und als der Schaffner kam erinnerte ich mich daran, dass kurz zuvor das neue Fahrgast-Entschädigungs-Gesetz in Kraft getreten war. Dafür sollten sie bluten, das würde ich sofort in Anspruch nehmen!

Der Zugbegleiter war zwar etwas verblüfft, kam aber ansonsten anstandslos meiner Aufforderung nach, mir die 30 Minuten auf dem Ticket zu bestätigen. Danach würde es eine entspannte Fahrt durchs schöne Rheintal, vorbei an sämtlichen Sehenswürdigkeiten wie Loreley-Felsen, Mäuseturm der Hildegard von Bingen etc. Und in der Rhein-Neckar-Metropole hatte ich genug Zeit, mich um die Angelegenheit zu kümmern, da der nächste Anschlusszug erst eine Stunde später ging. Also mein altes Mütterchen samt Gepäck auf einer Bank deponiert und auf zum Service-Point!

Dort gab es zwei Schlangen, wobei bei einer darauf hingewiesen wurde, dass man von einem Auszubildenden bedient würde und es deshalb eventuell zu Verzögerungen kommen könnte. Bingo!  Der würde mit bestimmt alle Wünsche von den Augen ablesen. Und tatsächlich: schnell wurde ich mit ihm handelseinig, und er war bereit, mir die mittlerweile eine Stunde Verspätung auf dem entsprechenden Formular zu attestieren. Womit ich aber nicht gerechnet hatte war die Superviserin in Gestalt eines schwarzhaarigen Drachen, die sich während unseres Gesprächs am Rechner zu schaffen gemacht  und mir eine neue Verbindung ausgedruckt hatte. Daraus ergab sich, da  am Fahrtende statt der S-Bahn eine Regional-Bahn genutzt werden konnte die finale Verspätung nur 55 Minuten statt einer Stunde betragen würde. Und die Entschädigungsregel erst ab exakt 60 Minuten greifen würde.

Nach kurzer Fassungslosigkeit kam ich wieder in Fahrt, probierte es zunächst höflich und steigerte mich verbal allmählich. Dass sie bei Wikipedia mal das Wort “kulanz” nachschlagen sollte und dass Mehdorns Geist wohl noch tief in ihr stecke waren dann meine letzten Worte. Es war absolut nichts zu machen. Bahnfahren fällt für’s Erste wieder flach.

 

Nachtrag:

Von 0&0 gibt es auch Neues. Neulich hat einer der Ekel-Trolle einen anderen User als Ratte bezeichnet. Kümmerte natürlich wieder keinen der Saubermänner. Als es nach fünf Tagen und Meldung an drei verschiedene Mods immer noch so stand machte ich die Probe auf’s Exempel und titulierte einen anderen User ebenso. Tatsächlich dauerte es fast eine halbe Stunde, bis die beiden omnipotenten omnipräsenten eingriffen. Jungs, ihr werdet doch nicht schlappmachen? Und dass der Moderator der Herzen einen harmlosen Thread über eine Stunde offen lässt ist auch kein Ruhmesblatt. Etwas mehr Elan bitte, oder seid ihr alle mit dem Bildungsstreik zu sehr ausgelastet?

Kategorie: Allgemein | 2 Kommentare »

Friedenspreis des deutschen Buchhandels

Montag 19. Oktober 2009 von glandon

  142_47156_92721_xl

 

Herbstzeit – Bücherzeit. Die ersten Stürme fegen übers Land, Kälte und Feuchtigkeit greifen die gichtigen Gelenke an. Da überlegt man es sich doppelt und dreifach, ob man sein geliebtes Rennrad und sich selbst den Unbilden der Witterung aussetzt, oder es ein wenig pflegt. Und sich auch gutes tut, indem man sich mit einem Fläschchen Rheinhessischen „Roten Rauschers“ aufs Sofa unter die Decke verkrümelt und ein Buch zur Hand nimmt. Schön, wenn man buchhändlerische Schwestern und Nichten hat, die einen mit Nachschub versorgen – manchmal auch ungefragt. So hatte ich eines unschönen Tages etwa ein unglaubliches Schundwerk namens „Ganz oder gar nicht“ in meinem Briefkasten, in dem ein Kuschelrockfan seinen kriminellen Ghostwriter langweilige Lügengeschichten aus seinem Leben erzählen lässt.

 

Neulich aber bekam ich ein weiteres Büchlein, das sich ein wenig um Radsport dreht, und über das ich für eine kleine feine Radsportseite eine Rezension verfasst hatte. Diese Radsportseite im Internet war mal richtig gut, als noch die Gründerin das Zepter fest in der Hand hatte. Nachdem sie aus verständlichen Gründen nicht mehr die rechte Lust auf Radsport hatte, gab sie den Staffelstab weiter. Seither ging es bergab. Mittlerweile ist die Site in die Hände zweier Langzeitstudenten mit viel freier Zeit gefallen und steht kurz vor der Umbenennung in

Ocanas offi-zielles Magazin

Zentralorgan des Schnipplerismus

(„Schnipplerismus“ ist die seit geraumer Zeit dort vorherrschende „Kunst“form, deren Motto „Von nichts eine Ahnung, aber zu allem eine Meinung!“ lautet.)

 

Kaum hatte ich die Rezension dort geposted vergingen nur wenige Sekunden, bis o&o reagierten – der eine mit einem saublöden schnippleristischen Kommentar, der andere indem er meinen Text kurzerhand entfernte. Selbstverständlich ohne mich davon zu informieren, und auf Nachfrage gab es zunächst, wie bei diesem Gremium üblich, keine Antwort. Erst als ich die Diskussion öffentlich zu machen drohte, gab es die „Erklärung“, ich würde gegen bestimmte User mobben. Was erstens überhaupt nicht meine Absicht und zweitens insofern grotesk war, dass einer dieser User tatsächlich einmal gemobbt wurde – was die Moderation jedoch in keiner Weise kümmerte.

 

Da der Text bisher trotz meiner Aufforderung gelöscht geblieben ist, rekonstruiere ich ihn und stelle ich ihn hierher. Damit kann sich jeder selbst ein Bild machen.

 

 

Thea Dorn – Mädchenmörder

 

handelt von einem Ex-Radprofi mit einem „zitronengelben Porsche“, was gleichermaßen auf extrem schlechten Geschmack wie auf schwer gestörte Sexualität hindeutet. Und tatsächlich fängt er an, seinem Vorbild Dutroux nachzueifern, und verschleppt, vergewaltigt und ermordet junge Mädchen. Eines seiner Opfer nimmt er mit, und es beginnt ein road movie, bei dem sich eine Blutspur durch halb Europa zieht, dabei immer wieder die Austragungsorte bekannter Radrennen kreuzend.

 

Nach einem Perspektivwechsel zur Mitte des Buches stellt sich allerdings heraus, dass gar nicht der Killer der bekloppteste in der ganzen Geschichte ist, sondern ein rothaariges „verrücktes Huhn“.

 

Flüssig und unterhaltsam geschrieben und mit einem ganz witzigen Schlussgag versehen lässt sich das Buch während zweier längerer Bahnfahrten durchlesen, auch wenn der dozierende Tonfall, bei dem man sofort die Autorin vor Augen hat, manchmal nervt.

 

Den radsportlichen Background haben Peter Winnen und Marcel Wüst beigesteuert (ob persönlich oder nur durch deren Lektüre entzieht sich meiner Kenntnis), denen im Anhang gedankt wird. Interessant noch der Blick von außen auf den Profi-Radsport, der als masochistische und deformierende Angelegenheit dargestellt wird. Und vielleicht liegt man damit ja nicht ganz falsch.

 

 

Kategorie: Allgemein | 20 Kommentare »

re-cycled

Freitag 9. Oktober 2009 von glandon

tonne

„Wir könnten mal wieder aufräumen!“ hat Nicki neulich gesagt. Und es war somit beschlossen. Auf der Strecke blieben bei dieser Aktion ein altes Bügeleisen, diverse Elektro-Kabelage und ein kaputter Discman, die der Entsorgung harrten.

Von manchen Dingen muss man sich einfach trennen, auch wenn sie mit Erinnerungen verbunden sind.


Den Discman hatte ich eines Morgens beim Zeitungslesen in einer Annonce eines großen Discounters entdeckt. Ein unschlagbares Schnäppchen-Angebot, weshalb ich mich stante pede auf den Weg gemacht hatte. In den ersten beiden Filialen bei mir im Problembezirk hatte ich keinen Erfolg – alles schon weg. Als mir auch in der dritten kein Glück beschieden war hatte meine Geduld eigentlich schon ein Ende. Ich zitierte noch den Filialleiter herbei, pöbelte noch etwas von „Lockvogelangebot“ und „ich zeige euch an!“ und verzog mich mit meinem Zorn vor die Tür. Da stand ich nun im Schneematsch vor dem S-Bahnhof. Von dem eine Linie direkt zu meinem damaligen Arbeitsplatz in einem wohlhabenden Außenbezirk führte. Das brachte mich auf die Idee, mein Glück bei der dortigen Filiale zu versuchen, an der ich sonst immer vorbei zum Büro marschierte. Und deren Anwohner einen Einkauf bei den Geizkragen-Brüdern eigentlich nicht nötig hatten.

Dort angekommen hielt ich mich erst gar nicht lange mit suchen auf, sondern schnappte mir gleich einen Mann im weißen Kittel. Und ich hatte Glück! Zwar lagen auch dort keine der Geräte mehr zum Abverkauf bereit, aber der freundliche Herr hatte noch eines für einen Kunden reserviert. Bis 11:30 Uhr. Und es war kurz vor zwölf!

Richtig bezahlt gemacht hat sich der Einsatz und die Jagd allerdings nicht. Ein paar Jahre tat das Teil seinen Dienst, dann fing es an zu jaulen. Manchmal wollte es auch gar nicht loslaufen, sträubte sich und zeterte wie das HB-Männchen. Irgendwann hatte ich die Schnauze voll und warf das Miststück gegen die Wand. Danach war es still – leider für immer.

Das Bügeleisen hingegen hatte ich von meiner Mutter geerbt. Gutmütig lag es seit Jahrzehnten im Schrank und wartete auf gelegentliche (sehr gelegentliche) Einsätze. Regelmäßig benutzt wurde es eigentlich nur von meinen Untermietern. Bei Gottfried aus Ghana z. B. musste es monatelang fast täglich ran. Das hat es wohl zu sehr geschlaucht, da es wie gesagt nicht mehr das jüngste war. Als mein nächster Untermieter morgens einen Termin mit einem Auswärtigen Beamten hatte und schnell ein gebügeltes Hemd brauchte drückte ich ihm die Antiquität in die Hand. Und dort hielt er sie auch gerade, als nach wenigen Bügelstrichen eine Flamme aus dem Gerät schoss, und so glücklicherweise keine Brandflecken auf seinem besten Hemd hinterließ. Welches den anschließenden Termin allerdings etwas zerknittert absolvieren musste.

Solcherart waren die Erinnerungen, während ich mich auf den Weg zum Recyclinghof in meiner Nähe begab.

 

Die Einfahrt war mittels Schlagbaum versperrt, und der glubschäugige Pförtner, der mich aus seinem Glashäuschen anglotzte, machte auch keinerlei Anstalten, diese für eine Radfahrerin zu öffnen. So musste ich mich durch die scheinbar für nichtmotorisierte Personen gedachte schmale seitliche Lücke zwängen, durch die die feiste Gestalt im verqualmten Kabuff niemals hindurchgepasst hätte.

lüstern
„Tach, ich hab ein altes Bügeleisen, einen Discman und einen Haufen Elektrokabel“ hob ich an, die ekelerregenden Zigarrenschwaden, die mir entgegenquollen dabei ignorierend. Die Antwort verblüffte mich einigermaßen: „Wir sind hier aber nicht die Stadtreinigung, sondern die Recycling GmbH!“ Während mir die Kinnlade herunterfiel, sodass ich nicht gleich entgegnen konnte „Das trifft sich ja gut, zum Recyceln wollte ich die Sachen ja auch bringen“, hatte die Masse Mensch schon flugs einen Lageplan hervorgezaubert und erläuterte mir den Weg zur richtigen Adresse. Da sich diese erstens nicht sehr weit entfernt und zweitens direkt auf meinem Weg zur Kita befand, wo ich das Kind abholen musste, ließ ich die Sache damit auf sich beruhen. Mit einem „Die ganzen Umwege spare ich mir aber und fahre direkt durch die Hohenfriedbergstrasse“ verabschiedete ich mich, ein grübelndes Gesicht hinterlassend, dem ein ‚Wie will die denn da fahren, die ist doch für den Durchgangsverkehr gesperrt’ mit großem Fragezeichen auf der Stirn eingeschrieben war.

Am neuen Ziel angekommen gab es schon wieder einen Schlagbaum, hinter dem sich ein blondierter Jüngling auf einem Klappstühlchen in der Sonne fläzte. „Tach, ich hab ein altes Bügeleisen, einen Discman und einen Haufen Elektrokabel“, wiederholte ich mein Sprüchlein, ergänzt um die Frage: „Wo soll ich das hinbringen?“ „Das Bügeleisen kann in den Alteisen-Container. Das andere musst du leider wieder mitnehmen. Der Container ist voll.“

„Guter Witz!“ entgegnete ich noch und machte mich auf den Weg zum Alteisen-Container. Scheppernd landete das einst so feurige Gefährt in dem Behältnis, und mit einer Tüte in der Hand kehrte ich zum Einweiser zurück. Ich wiederholte meine Frage, wo ich die restlichen Sachen deponieren könne. „Hab ich doch schon gesagt!“ kam es aggressiv zurück. Der Container wäre voll, schon geschlossen und würde erst morgen früh abgeholt. „Dann mach ihn halt wieder auf!“ entgegnete ich, allmählich auch leicht gereizt. Als Antwort kam eine hanebüchene Geschichte über offene Container und während der Fahrt herunterfallende Altgeräte, die schwere Unfälle verursachten. Ich hatte keine Lust, mir derlei Unfug weiter anzuhören und meinte nur, es wäre mir egal, was er mit der Tüte machte, der volle Container wäre nicht meine Schuld und ich würde sie auf jeden Fall nicht quer durch die halbe Stadt fahren und anschließend wieder mit nach Hause nehmen .

Mit weiteren absurden Vergleichen über ausverkaufte Bäcker, bei denen man auch keine Brötchen mehr bekomme, und Gegenvorschlägen, dass sich auf dem riesigen Gelände wohl ein winziges freies Plätzchen fände, wo meine Tüte bis zur Abholung des Containers übernachten könne, eskalierte die Situation verbal mehr und mehr. Bevor die Auseinandersetzung in den physischen Zustand überging trat ich lieber den taktischen Rückzug an. Zwar hätte mich der Helm beim hinterrücks mit dem Kopf aufschlagen vor dem Tode bewahrt, gegen einen zertrümmernden Hieb auf die Nase wäre er aber machtlos gewesen.

Beim Wegstrampeln der aufgestauten Aggressionen auf dem Rad formulierte ich im Geiste schon den Wortlaut der E-Mail, die ich an die Kundenservice - oder am besten gleich Personal-Abteilung der Stadtreinigungsbetriebe - zu schicken gedachte. Blöderweise (oder glücklicherweise, ganz nach Betrachtung) verraucht mein Zorn aber meistens genauso schnell, wie er entstanden ist, weshalb das Schreiben nie verfasst wurde. Ob die Plastiktüte voll Elektroschrott immer noch vor dem Eingang des Recyclinghofes liegt?

__________________

Kategorie: Allgemein | 4 Kommentare »

Blut- und andere Ergüsse

Donnerstag 17. September 2009 von glandon

lenker1Die Die letzten schönen septemberlichen Spätsommertage. Das Wort „Altweibersommer“ möchte ich in diesem Zusammenhang nicht gebrauchen. Es berührt mich irgendwie peinlich. Ich denke dabei zusehends seltener an meine Mutter, als vielmehr an mich selbst. Aber das ist eine andere Geschichte, die hier jetzt nichts zur Sache tut.

Die letzten Spätsommertage also. Sonne, Wärme, Open-Air-Kneipen-Ausgehen. Minirockwetter, möglichst wenig Stoff am Leib. Ich hingegen in langer Hose. Und das kam so:

Ich war nach der Arbeit noch einkaufen. Nicht shoppen, d.h. keine Shirts, Handtaschen oder Schuhe, sondern einkaufen. Also die Dinge, die man fürs unmittelbare Überleben braucht. Lebensmittel halt. Aber auch bei diesen Profan-Einkäufen schlägt manchmal das weibliche Gen zu, und so lag mal wieder viel mehr im Einkaufswagen, als ursprünglich auf der Liste gestanden hatte. Viel mehr auch, als in meine Umhängetasche passte. Für Notfälle dieser Art hat die kluge Frau allerdings immer noch eine einstmals für teures Geld erworbene, große Plastiktüte dabei.

Nun ist das Radfahren mit einer riesigen, schweren Plastiktüte in der Hand wirklich kein Hexenwerk, sondern etwas, was ich schon tausende Male zuvor praktiziert habe. Worauf es hauptsächlich ankommt ist, die Tüte möglichst vom Körper fernzuhalten, damit man nicht bei jeder Kurbelumdrehung dagegentritt. Aber der Weg war relativ weit und der Arm erlahmte schneller als bei früheren Gelegenheiten. (Wobei mir wieder dieses schreckliche Wort „Altweibersommer“ in den Sinn kam – keine Ahnung warum.) Jedenfalls geschah dann alles in Sekundenschnelle. Eine Windboe kam auf, die Tüte geriet ins Pendeln, was durch ein müdes schwaches Frauenärmchen nicht mehr ausgeglichen werden konnte. Und knallte gegen das Vorderrad, das sich daraufhin querstellte.

Den Rest kann man sich denken. Überwindung der Schwerkraft. Ähnlich imposant wie bei einer Saturn V. Abstieg über den Lenker. Die Schwerkraft revanchiert sich. Unsanfte Landung auf hartem Asphalt.

Ohne Helm wäre ich jetzt tot. So habe ich wundersamerweise lediglich ein Hämatom am Oberschenkel, welches in allen erdenklichen Farben schillert, in denen man sich auch Fahrradsättel beziehen lassen könnte. Aber das beste war: ausser ein paar zerdrückten Getränkekartons und Keks-Schachteln sind die Einkäufe alle heil geblieben. Sogar die Bierflaschen.

Kategorie: Allgemein | 23 Kommentare »