Rheingold und Mehdorns Geist
Mittwoch 18. November 2009 von glandon

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Radtransport und Bahnfahren - ein echtes Problem, besonders wenn man mit seinem “besten Stück” quasi fest verwachsen ist. Wie schön war es doch in den Neunzigern, als ich viel und gerne Bahn gefahren bin und mit meinem hübschen Trek Aufsehen in zahlreichen Bahnhöfen der Republik erregt habe. Aber dann kam ER.
Erst schaffte er die Interregios ab, mit denen man die meisten Ziele problemlos mit Radtransport erreichen konnte. Dann schaffte er das Super-Sparpreis-Ticket ab, das einem flexibles Reisen zu fairen Preisen ermöglicht hatte. Zu schlechter letzt mussten auch noch zahlreiche Intercity-Verbindungen dran glauben - oft indem man sie einfach zu ICEs umlabelte und die Fahrradmitnahme damit untersagt war.
Nach und nach habe ich mir dann das Zugfahren abgewöhnt, obgleich ich es ausgesprochen gerne tue. Aber wenn man sein Rad ohnehin nicht mitnehmen kann, dann ist die Reise per Mitfahrgelegenheit entschieden kostengünstiger. In den letzten Jahren habe ich nur noch sporadisch die Bahn benutzt. Nur wenn es irgendwelche Tchibo- oder Lidl-Tickets abzugreifen gab.
Neulich aber hatte mein Bruder eines der äusserst raren “Dauer-spezial”-Angebote erwischt, als ich mein altes Mütterchen vom Rheinland nach Hause transportieren musste. 49 € für zwei Personen - da kann man nun wirklich nicht meckern. Vielleicht der Beginn einer wunderbaren erneuerten Freundschaft. Also wollte ich es noch mal probieren.
Los ging es von Karl-Marx-Stadt Moritz-Mehlem-Dorf zum Hauptbahnhof. Zunächst völlig problemlos, und nebenbei noch mit einer guten Tat: ein scheinbar rüstiger Rentner wollte nach Oberwinter - und hatte keinen Schimmer, wie er zu seiner Fahrkarte aus dem Automaten kommt. ‘Das hat ER also auch noch auf dem Gewissen! Ältere Menschen sind vom öffentlichen Schienentransport praktisch ausgeschlossen’ dachte ich noch. Und am Hauptbahnhof wurde meine Laune gleich noch schlechter. Zwar ging der EC direkt vom Gleis gegenüber ab und ersparte einem lästiges Treppauftreppab mit Gepäck, allerdings war auf der Anzeigetafel bereits eine Verspätung von 20 Minuten angegeben. Und wir hatten beim nächsten Umsteigepunkt nur ein Polster von 13 Minuten.
So weit, so schlecht. Aus den avisierten 20 wurden dann reale 30 Minuten Verspätung, womit alle Hoffnung schwand, den Anschlusszug doch noch zu erreichen. ‘Erspart einem wenigstens das Gehetze’, nahm ich es fatalistisch. Aber die Wut loderte innerlich, und als der Schaffner kam erinnerte ich mich daran, dass kurz zuvor das neue Fahrgast-Entschädigungs-Gesetz in Kraft getreten war. Dafür sollten sie bluten, das würde ich sofort in Anspruch nehmen!
Der Zugbegleiter war zwar etwas verblüfft, kam aber ansonsten anstandslos meiner Aufforderung nach, mir die 30 Minuten auf dem Ticket zu bestätigen. Danach würde es eine entspannte Fahrt durchs schöne Rheintal, vorbei an sämtlichen Sehenswürdigkeiten wie Loreley-Felsen, Mäuseturm der Hildegard von Bingen etc. Und in der Rhein-Neckar-Metropole hatte ich genug Zeit, mich um die Angelegenheit zu kümmern, da der nächste Anschlusszug erst eine Stunde später ging. Also mein altes Mütterchen samt Gepäck auf einer Bank deponiert und auf zum Service-Point!
Dort gab es zwei Schlangen, wobei bei einer darauf hingewiesen wurde, dass man von einem Auszubildenden bedient würde und es deshalb eventuell zu Verzögerungen kommen könnte. Bingo! Der würde mit bestimmt alle Wünsche von den Augen ablesen. Und tatsächlich: schnell wurde ich mit ihm handelseinig, und er war bereit, mir die mittlerweile eine Stunde Verspätung auf dem entsprechenden Formular zu attestieren. Womit ich aber nicht gerechnet hatte war die Superviserin in Gestalt eines schwarzhaarigen Drachen, die sich während unseres Gesprächs am Rechner zu schaffen gemacht und mir eine neue Verbindung ausgedruckt hatte. Daraus ergab sich, da am Fahrtende statt der S-Bahn eine Regional-Bahn genutzt werden konnte die finale Verspätung nur 55 Minuten statt einer Stunde betragen würde. Und die Entschädigungsregel erst ab exakt 60 Minuten greifen würde.
Nach kurzer Fassungslosigkeit kam ich wieder in Fahrt, probierte es zunächst höflich und steigerte mich verbal allmählich. Dass sie bei Wikipedia mal das Wort “kulanz” nachschlagen sollte und dass Mehdorns Geist wohl noch tief in ihr stecke waren dann meine letzten Worte. Es war absolut nichts zu machen. Bahnfahren fällt für’s Erste wieder flach.
Nachtrag:
Von 0&0 gibt es auch Neues. Neulich hat einer der Ekel-Trolle einen anderen User als Ratte bezeichnet. Kümmerte natürlich wieder keinen der Saubermänner. Als es nach fünf Tagen und Meldung an drei verschiedene Mods immer noch so stand machte ich die Probe auf’s Exempel und titulierte einen anderen User ebenso. Tatsächlich dauerte es fast eine halbe Stunde, bis die beiden omnipotenten omnipräsenten eingriffen. Jungs, ihr werdet doch nicht schlappmachen? Und dass der Moderator der Herzen einen harmlosen Thread über eine Stunde offen lässt ist auch kein Ruhmesblatt. Etwas mehr Elan bitte, oder seid ihr alle mit dem Bildungsstreik zu sehr ausgelastet?
Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 18. November 2009 um 14:38 und abgelegt unter Allgemein. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.
Mittwoch 18. November 2009 um 18:39
Vielleicht hilft der Blues, der Bundesbahnblues…
http://www.youtube.com/watch?v=YK68543KnZ4
Samstag 5. Dezember 2009 um 20:37
Du bist aber auch gar nicht und kein bißchen leidensfähig!