Ein warmer Sommerregen
Mittwoch 26. August 2009 von hansi.bierdo
Heute abend war ich eine lockere Runde drehen, etwa 90 min klassisches GA1 mit hoher Trittfrequenz und niedrigem Puls. Die Beine fühlten sich wieder locker an und es hat richtig Spass gemacht in diesem warmen Sommernieselregen, von dem man gar nicht richtig nass wird, zu fahren. Wir Radfahrer sind ja schon ein bißchen verrückt.
Beim Fahren konnte ich nochmal den Sonntag Revue passieren lassen und entschloss mich, doch noch darüber zu berichten:
Wer die Heutige Radtour aufmerksam verfolgt hat, kennt ihn vielleicht noch vom letzten Winterpokal: Tourscout Jochen.
Am Sonntag hatte ich eigentlich keine Lust zu fahren, die Saison ist innerlich sowieso schon abgehakt, mit all den Problemchen und Schmerzen: keinerlei Ambitionen mehr, Schnauze voll, ich werd’ nur noch spazierenfahren und auch nur wenn ich richtig Lust dazu habe.
Jochen und seine Frau haben mich dann doch überredet. Man müsse noch nach einem Haus kucken, dessen Besitzer in Urlaub sind und dann könnten wir doch da hinten rum, und auf’m Rückweg noch ein Eis essen. Ich war einverstanden, unter der Prämisse dass es nicht so stressig wird und keine furchtbar steilen Sachen gefahren werden, da mein 30er Kettenblatt verbogen ist und ich somit nur das 39er zum Klettern haben würde. “Nein, nein, da gibt es nur eine Steigung, so 1-2km höchstens 4%”. Naja, dafür brauch ja selbst ich in diesem Trainingszustand keinen Rettungsring 30er…
Ein paar 30km später ging es in die besagte Steigung. Jochen fuhr, wie immer, zügig vorne weg, ich als zweiter weniger zügig hinterher und Babs kam dann schon abgeschlagen hinter mir. Verdammt geht das hier hoch, ich will schon ziemlich schnell bis aufs letzte Ritzel hoch schalten: 39×27, Ende der Fahnenstange. Sowenig drauf heute? Mir kommt schnell die Idee, dass das niemals nur 4% sind. Kurz mal den HAC auf Steigung umgeschaltet und siehe da, er beginnt hochzuzähen: 4, 6, 7, 8%. Dort bleibt er dann mal. Na prima, so weit ich sehen kann wird sich daran auch nicht viel ändern, das kann ja heiter werden. Weitere 2 km später erkenne ich die Strecke wieder und weiß, das ich jetzt so langsam in der Hälfte sein müßte. Jochen! Du Flachzange!
Dann kommt das Steilstück, der HAC geht hoch auf 2stellige Prozente, ich drücke die Anzeige weiter, das Elend will ich mir gar nicht antun. Das Treten beginnt weh zu tun, und der Blick nach vorne verheisst nichts Gutes. So packt mich die Verlockung, ich schalte probeweise aufs 30er Kettenblatt und…trete durch! Die Kette kommt auch mit hektischem fummeln am STI nicht mehr zurück, ausklicken im Steilstück ist angesagt. Ich könnte platzen! Kein Standstreifen, kein Bürgersteig, jede Menge Autos und ich ohne Antrieb auf der Wiese. Die Kette war schnell wieder aufgelegt aber mein Startversuch ging in die Hose, das Einklicken hab ich in der Steile und Hektik nicht hingekriegt, also erstmal schieben…Verdammt!
Kurze Zeit später kam Babs vorbei und ich rief ihr zu, was passiert war. Irgendwie hab ich das Stück bis in die nächste Kurve geschafft und dort war eine kleine Haltebucht, wo ich wieder starten konnte. Ich hatte Babs dann auch relativ schnell wieder eingeholt. Die Arme hat dieses Jahr noch keine 1.000km in den Beinen und quälte sich sichtlich. Ich rief ihr im Vorbeifahren zu, sie solle mich dran erinnern, dass ich Jochen eine liegenlasse, wenn ich oben bin. Sie grinste verständnisvoll und meinte, dass ich das sicher nicht vergessen würde.
Oben angekommen war jedoch aller Groll verflogen, ein wenig Stolz packte mich, mein Knie machte erstaunlich wenig Probleme und ich freute mich auf die Abfahrt. Wir waren dann auch noch ein Eis essen (Kuckt doch alle mal blöd auf mein Bein!) und sind mit einem schönen Schlenker heimgefahren.
Das waren dann um die 50km und 500irgendwas hm, eigentlich lächerlich, aber im Nachhinein denk ich, dass ich erstaunlich gut hochgekommen bin. Und noch erstaunlicher ist, dass außer einem hübschen Muskelkater auch keine weiteren Probleme auftraten. Ich würde fast so weit gehen, zu behaupten, dass mein Knie so etwas mal unbedingt gebraucht hat und ich müßte Jochen eigentlich sogar noch dankbar sein. Natürlich nur mit Einschränkungen, keimt doch nun wieder so etwas wie Hoffnung, dass ich irgendwann mal nochmal anständig Radfahren könnte, und das könnte ja auch wieder in die Hose gehen… Schaun mer mal!
Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 26. August 2009 um 00:44 und abgelegt unter Allgemein, Heutige Radtour. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.