Strich drunter - das war zweitausendölf
Donnerstag 15. Dezember 2011 von hansi.bierdo
Was war Zweitausendölf? Schon wieder ein Jahr voller Pleiten, Pech und Pannen? Zunächst sah es so aus, aber dann statt kurzen Lichtblicken in Form von Sternschnuppen oder Kometenschweifen ging die Sonne auf und zwar richtig hell. Doch bevor die Sonnenbrillen ausgepackt werden - immer schön der Reihe nach…
Das Jahr hatte ich mir eigentlich vorgenommen, noch einen letzten Versuch zu starten, die diversen körperlichen Probleme in den Griff zu kriegen, bevor ich meine Räder verkaufe, und es hätte kaum besser losgehen können:
Über den Jahreswechsel kam ich mit externem Input so nach und nach den Gründen meiner Wehwehchen in Hüfte und Knie auf die Spur: Übersäuerung, Fehlstellung des rechten Fußes, muskuläre Dysbalancen. Geniale Kombi, liest sich wie: lass es besser bleiben, aber einfach kann ja jeder und ich nahm den Kampf auf. Recht flott ging die (für mich drastische) Ernährungsumstellung, bestehend aus viel Gemüse, viel Salat, viel Wasser und basischen Tee sowie Basenpulver, wenig Fleisch und Wurst, (fast) keine energiedichten Kohlenhydrate (Nudeln, Reis, Brot, Süßigkeiten) und (viel) wenig(er) Kaffee. Dies verbesserte die akuten Muskel-, Sehnen- und Gelenkschmerzen ganz enorm. Ich konnte wieder fahren, regelmäßig hart trainieren konnte ich aber immer noch nicht.
Weil mein Rahmen als zu lang klassifiziert worden war, suchte und fand ich günstig einen Rahmen mit kurzem Oberrohr, dem ich noch einen Try geben wollte: Zoulou Ibuthu in 60cm. Der Rahmen fuhr sich schonmal viel besser als der 64er Quantec, allerdings gab das Knie immer noch keine Ruhe. Ein Kumpel empfahl mir einen Sportmediziner, der auch Sitzpositionsanalysen macht, u.a. für den württembergischen Radsportverband.
So folgte als nächstes eine Biometrie mit Video und allem drum und dran, und das Ergebnis war wirklich der Hammer. Es fühlte sich zwar drei Tage so an, als würde ich aufm Klo sitzen, so tief, aber tatsächlich hab ich noch nie so gut aufm Rad gesessen. Es war Druck da, nichts tat weh und plötzlich waren 6h fahren nur noch ein Problem der Beine und der Kalorien, nicht mehr des Knies, Hintern, Nackens und der Schultern. Mit Einlagen in den Schuhen und spezieller Krankengymnastik bekamen wir die Knieschmerzen komplett in den Griff und ich konnte trainieren wie ein Weltmeister. Apropos Weltmeister, soweit wollte ich ja nicht gehen, aber die DM der Paracycler sollte es dieses Jahr wieder sein. Und wie neugeboren hatte ich auch wieder Ambitionen… ![]()
Im Frühsommer lief mir dann der Cervelo Soloist Rahmen im Tourforum zu, den ich zu meinem Racebike aufbaute. So einen Rahmen wollte ich schon seit Jahren haben und ich freue mich sehr über diese genutzte Gelegenheit. Das Rad fährt sich super, ist total willig, man spürt den innewohnenden Vorwärtsdrang bei jedem Tritt. Zunächst haderte ich auch hier wieder mit der Sitzposition, der Rahmen ist eigentlich einen Tacken zu lang für mich und durch das seltsame Sattelrohr und die Stütze mit dem Riesensetback muss ich dieselbe auf 76° rumdrehen, um mit dem Knielot ausreichend weit nach vorne zu kommen. Dafür hat der 58er Frame dann auch rennmäßige 15cm Überhöhung!
Trotz des Superrädchens und der besten Form seit Jahren meldete ich nicht zur DM, fand mich mit nem 38er Schnitt auf 20km einfach nicht gut genug, was die Ergebnisse des EZF dann auch bestätigten. Das schien nach 2 Jahren Totalausfall doch noch nicht meine Welt zu sein. Selbst mit Wettkampfadrenalin hätte da noch einiges gefehlt, was ich aber ohne Enttäuschung feststellen konnte.
Befreit von allen Verpflichtungen lief ich anschließend zu meiner ganz persönlichen Höchstform auf. Der Spätsommer war meiner und nach all den Querelen der letzten beiden Jahre hatte ich mal wieder wochenlang richtig Freude auf dem Gerät, ohne Schmerzen, ohne Probleme, mit Zug auf der Kette und mit Spaß in den Backen. Diese Phase war so geil, das ich schon wieder dran denke, ob ich nächstes Jahr den Anschluß nicht doch wieder schaffen könnte…
Nicht vergessen sollte ich auch meine neuen Radfreunde aus Ludwigsburg und Umgebung, mit denen so mancher Kilometer gemeinsam abgespult wurde. Der/Die ein oder andere sind mir dabei sehr ans Herz gewachsen und ich möchte Sie in meiner Radwelt nicht mehr missen. You know, who you are!
Über 6.000km und viele viele Höhenmeter war die Jahresausbeute, das sind ungefähr doppelt so viel, wie in den letzten beiden Jahren zusammen. Zwei neue Rahmen, mehrere Ketten, Schläuche, Flicken und viele Riegel waren nötig, um soweit zu kommen. Tja, und nun? Wie geht’s weiter? Sieger werden ja bekanntlich im Winter gemacht, und während die ersten Winterpokalhelden schon zerschlissen sind, werd ich weiterhin gleichmäßig, wenig, aber hart trainieren, um nächste Saison an die neuen alten Leistungen anzuknüpfen.
Das Motörlegs Cycling Team rollt wieder. Still a lotta miles to ride…
Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 15. Dezember 2011 um 01:49 und abgelegt unter Allgemein, zweitausendölf. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.