Szenen einer Sonntagsrunde
Montag 20. September 2010 von hansi.bierdo
Es gibt so Tage, da kann man sich einfach nicht richtig auf das konzentrieren, was man gerade am machen ist. So auch bei meiner heutigen Runde geschehen. Obwohl ich natürlich wieder ernsthaft am trainieren war
, schossen mir ständig Gedanken durch den Kopf, auf die ich keine Antworten gefunden habe und die mich jetzt noch beschäftigen. Solche soll man ja aufschreiben, damit sie aus dem Kopf draußen sind, was ich hiermit tue.
Los ging’s, als mir eine Horde Mountainbiker entgegenkam. Warum zum Geier haben die immer Rücksäcke dabei, als wollten sie nen Alpencross machen? Was ist da drin? Bei 15°, Sonne und keinem Wölkchen am Himmel reichen mir ungefähr 1,5-2 Trikottaschen, und dann hab ich schon einiges zu Essen und nen Fotoapparat dabei! Ist das anders, wenn man MTB fährt?!
Kurz drauf stellte ich leider fest, dass der Wind gedreht hatte, was Gegen- statt Rückenwind bedeutete. Heute wollte ich eigentlich ja superclever fahren und exakt diese Drehung mit ausnutzen, also auf dem Hin- und Rückweg Rückenwind haben. Warum aber irrt sich die Wettervorhersage immer nur gegen einen? Hab ich jemals erlebt, dass das Wetter viel besser war als angekündigt? Ich dachte ja, wenn der Kachelmann wieder aus dem Knast raus wird’s nochmal besser…
Dann hat mich ein netter Renner aufgefahren, mit dem ich flott ins Gespräch kam. Aber wie so oft, trennten sich unsere Wege recht schnell. Warum sind es immer die Netten, die kurz drauf ganz anders weiterfahren müssen?!?
Kinder und Skater auf Rad/Fußgängerwegen, auch immer so ein Gefahrenpunkt. Scheinbar hört heutzutage jeder Hund besser als all die Felixe, Jakobs, Hannah-Lisas und Maries zusammen und jeder Hundehalter benimmt sich besser als die Eltern der Racker. Und wenn man dann die gestresste Mama mal zum rechts fahren auffordert, muss man sich noch anhören, das man nicht so rasen soll. Wie bitte? Rasen? Noch langsamer und ich wär umgefallen. Hat dieses Prachtexemplar von Muttertier doch mit nur einem Damenrad eine Strasse dicht gemacht, auf der 3 Radfahrer locker nebeneinanderher fahren könnten (wenn sie können). Das schaffen normal nur Inlineskater…
Zwei Stadt- bzw. Dorffeste musste ich auf der geplanten Route umfahren. Ich find das ja total ätzend, so im Gänsemarsch von der Menge getrieben zu werden. Dann entdeckte ich die Formel, um die Dichte eines Volksfestes zu messen, Angabe in Körper pro m², und ich glaube, heute das war eine gute 2-3. Richtig klassisches Geschiebe. *thumbs up*
Großartiger Sport wurde natürlich auch noch geboten: das Duell am Berg. Kurz vor mir bog er zu der 2km langen Steigung ein, die ich als Mittelanstieg ausgewählt hatte. Der sicher 50jährige Fahrer hatte etwa 100m Vorsprung und mühte sich sichtlich auf seinem Stahlrahmen mit Heldenkurbel im Wiegetritt ab. Ich kam langsam näher. Schön im Sitzen an der Schwelle fahren, bloß nicht überpacen, es ist noch ein Stück… Als ich knapp zwei (selbstgezählte) Sekunden hinter ihm war, nahm ich schonmal einen Stöpsel aus dem Ohr, um die Situation besser einschätzen zu können. Quietsch!…Quietsch!…Quietsch! Jede Kurbelumdrehung des Stählernen wurde von einem unglaublich lauten Quietschen untermalt. Nice! Ich zog den Stöpsel sofort wieder an, ein Gespräch hätte da eh wenig Sinn, und lauerte mit 155er Puls weiter hinter ihm. In der Serpentine machte er wegen der besseren Übersetzung wieder etwas Boden gut, doch im nächsten Anstieg verlor er diesen sofort wieder. Ich legte ihn mir so zurecht, dass ich kurz vorm dem Zenit des Anstieg, wo es brutalstmöglich mit 6-8% geradeaus die Wand hochgeht, also ein paar Meter vorm Ortsschild, erst neben ihm und dann vorbei war. Ökonomischer kann man gar nicht fahren, wichtig war nur der Etappensieg, die Zielzeit spielte keine Rolle.
Apropos ökonomisch. Wie fährt man eigentlich einen ökonomischen Wiegetritt? Ich kann das i-wie nicht für länger. Entweder stampfe ich da einen dicken Gang und platze bald oder ich fahre viel zu locker und platze dann runterschaltend irgendwie auch bald. Wie machen das Evans, Nibali und Co., die manchmal minutenlang im Wiegetritt fahren?
Schlußendlich hat der Helm mir heut das Leben gerettet. Ich hab eine dreieinhalbstündige Rennradfahrt ohne einen Kratzer überlebt. Sicher wäre ich ohne Helm tot gewesen und könnte das hier nicht mehr schreiben…
Kategorie: Allgemein, Heutige Radtour | Keine Kommentare »









