Sonntag 13. September 2009 von hansi.bierdo
Zitat Martin: “Je nach Wetter würde ich am Sonntag eine lockere, wirklich lockere Ausfahrt machen wollen.”
Soviel erstmal zum Plan A. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Es ging damit los, dass ich (wie immer) zu spät in die Puschen kam, doch diesmal im wahrsten Sinne des Wortes, denn ich wollte ein paar Einlagen ausprobieren, die ich doch noch irgendwo rumliegen hatte. Nur wo…?
Als ich dann endlich auf dem Rad saß, hiess es Gas geben im Gegenwind und ich kam tatsächlich nicht allzuspät bei Martin an. Wir fackelten gar nicht lange rum, sondern fuhren gleich los. Martin sah mich noch etwas komisch an, als ich von Gegenwind faselte, das legte sich dann aber gleich darauf mit der nächsten, seiner ersten Windböe.
Heute war so ein Tag, an dem man immer minutenweise falsch angezogen war. Prinzipiell war es sonnig, sie war nur meist hinter den Wolken (da wo sie eigentlich immer scheint) und es blies ein ordentlicher Wind. Kam die Sonne dann mal heraus, war es direkt zu warm in den schwarzen Sachen. Würde man aber irgendetwas ausziehen, wäre es Minuten später wieder zu kalt. Also lieber schwitzen als frieren und mit langen Armen und 3/4 unterwegs.
Wir fuhren die wohlbekannte Enz-Runde, die mit knapp 85km und 650 Höhenmeter aufwartetet, immer wieder mit schnell fahrbaren Teilabschnitten durchzogen. Aber das schönste an der Runde ist dass sie bei mir beginnt, wenn ich zu Martin fahre und wir auf dem Rückweg bei mir vorbeikommen, von wo er dann nach Hause fährt, meistens unterstützt von einem Franzi Hefeweizen alkoholfrei.
Wir hatten uns erstmal viel zu erzählen und so legten wir nicht so übertrieben los, damit wir noch Luft zum quasseln hatten. Das legte sich dann, als wir den ansteigenden Teil der Runde hinter uns hatten und die nette Abfahrt mit dem schnellen Asphalt kam. Im Grunde genommen wurden wir immer schneller und das gipfelte in Plan B: unnötige, herrliche Attacken auf dem recht überfüllten Neckarradweg.
Erst schlich sich ein Treckingradfahrer in unseren Windschatten, als wir eine größere Gruppe mit Packtaschenrädern überholte. Als ich uns wieder einmal Platz machen lassen wollte, mangels Klingel mit meinem bewährten, freundlichen, vokal vorgetragenen “DingDong”, schien der Lutscher eine gewisse Gruppenzugehörigkeit demonstrieren zu wollen und klingelte. In dem Moment beschloss ich an dem kommenden Anstieg das Tempo stehen zu lassen. Ich wußte, dass Martin einfach mitgehen würde und als es frei wurde ging ich aus dem Sattel und beschleunigte. Martin klebte an mir und kurz hintendran der Trecker. Als es dem Ende der Steigung und auch meiner Puste zuging, spottete Martin das, zog nach vorne und beschleunigte noch weiter. Wir nahmen die Kuppe mit etwa 10km/h mehr als üblich, immer noch auf die Enddreissig zusteuernd. Der Abstand wurde größer und der Trecker platzte dann auch weg. Martin dachte, das Klingeln hätte uns gegolten und das sowas ja wohl nicht sein kann.
Als nächstes versuchte ein Jüngling mit Stahlrenner an uns dran zu blieben. Wir zogen wieder von dannen, machten dann aber auch mal wieder langsamer und am “Horizont” tauchte unser Verfolger wieder auf. Ich meldete “Feind in Sicht” und sofort ging es wieder nach vorne als gäbe es etwas zu gewinnen. Ich weiß gar nicht, ob uns heute überhaupt jemand überholt hat, und das alles bei dem Wind.
Ja, genau, der Wind, der drehende Hund. Schwenkte kurz mal von SüdSüd-West nach SüdSüd-Ost, natürlich ziemlich genau in dem Moment, wo wir auch mal was davon gehabt hätten. Manchmal wär man als Windsurfer wirklich besser dran…
Alles in allem war es wieder einmal eine gelungene Veranstaltung, die Einlagen machten sich gut, da muss ich mir wohl mal was richtiges verschreiben lassen. Leider ist heute nachmittag aber noch mein linker STI gestorben. Er schaltet nicht mehr runter. Da werd’ ich wohl Ersatz brauchen und herausfinden wie kulant H&S Bikediscount ist. Oder sollte ich eingeschworener Nipponfan vielleicht doch mal zum angedachten Öschi-Rahmen geografisch korrekt mit einem italienischen Pferdemensch fremdgehen…