Montag 11. Oktober 2010 von hansi.bierdo
Sonntagmorgen im Spätzlesland, strahlend blauer Himmel, der Start zu einer besonderen Expedition:
Nachdem ich ja die letzten Wochen ja wieder mal schmerzfrei trainieren konnte, wollte ich zum Saisonende meine Form testen, den gecancelten Besuch der 09er TdF-Etappe nachholen und meinem Rad zum dritten Geburtstag mal etwas anderes bieten, als die üblichen schwäbischen Geländeblasen. Also wurde das Dreijährige und viel Zubehör ins Auto geladen, Martin samt Rad und ebenfalls viel Zubehör nachgeladen, und in die Vogesen aufgebrochen, wo uns laut Vorhersage Sonnenschein bei “11-14°Grad, gefühlt wie 12-13° Grad” erwarten sollte. Hurra.
Dank den Superbaustellen auf der A5 kamen wir gut eine Stunde später als geplant in Munster an. Im Ort erwartete uns ein bedeckter Himmel bei ungefähr “11-14°Grad, gefühlt wie 12-13°”. “Naja, die Sonne wird bestimmt noch durchkommen.”
Wir zogen uns im Industriegebiet am Auto um: 3/4 Hose, langes Unterhemd, kurzes Trikot, Armlinge drüber, “Brauchen wir Windstopper drunter? Nä, so schlimm wird es wohl nicht werden, ich nehm nur die Jacke zum Abfahren mit.”
Und so ging es hinauf auf den Col de la Schlucht, der Einstieg zu unserer Vogesenrunde. Jaja, es gibt dollere Berge dort, aber ICH sollte ja auch hochkommen, und die knapp 20km mit durchschnittlichen 4,4% machten mir schon Sorgen genug, bin ich doch in diesem Leben noch keinen so langen Anstieg gefahren, wo auch!? Außerdem soll diese Anfahrt laut quaeldich.de landschaftlich reizvoll sein und war eigentlich schon für 2009 geplant, als Heinrich Haussler seine glorreiche 197km Flucht im strömenden Regen mit einem Etappensieg krönte. Wegen des gemeldeten Unwetters waren wir damals nicht dort.
Der Einstieg fiel mir ohne richtiges Warmfahren echt schwer. Ich tue mich leichter, wenn ich schon einmal ordentlich belastet und davon wieder erholt habe. Die lieben Franzosen hatten zum Glück im Kilometerabstand Schilder aufgestellt, die einem immer genau mitteilen, was alles noch kommen würde. Nach ungefähr 3km, hatte ich dann schon keine Gänge mehr übrig, die Skepsis wich der Gewißheit, dass das hart werden würde.
Zum Glück ging es danach weniger steil weiter, und ich kam in einen funktionierenden Rythmus. Es lief dann echt prächtig, bis ans (noch) 2km Schild. Ab dort mußte ich anfangen zu kämpfen. Der Hintern tat weh, die Beine fühlten sich wie in Laktat eingewickelt an und wollten so langsam oben ankommen. Vor allem wurde es kalt, neblig und feucht. Die letzten paar Höhenmeter erklommen wir bei einer Sichtweite von unter 100m und oben auf dem Pass waren es dolle 6° mit ungefähr 50m Sicht. Wir beschlossen keine weiteren 40km Kilometer auf dieser Höhe weiterzufahren, hatten wir doch auch keine Beleuchtung dabei, und fuhren nach den obligatorischen “Passbildern” und Jacke anziehen schnurstracks wieder hinunter.
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Das Geburtstagskind
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Passbild
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Col de la Nebel
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ciclo
In der Abfahrt wurden wir dann auch noch von einem Reisebus samt anhängender Autoschlange ausgebremst, die bei dem starken Gegenverkehr nicht überholt werden konnte. Allerdings war es im Windschatten eines PKW auch nicht ganz so kalt, was meine kurz behandschuhten Finger freute. Unten angekommen, luden wir ein, zündeten gleich die Sitzheizung, fanden kurz drauf ein Café und wärmten uns von innen.
Nach weiteren Baustellen-/Unfall-/Autobrand-Staueinlagen kamen wir irgendwann wieder nachhause und ließen den Tag bei SchniPoSa und Weizenbier ausklingen. Fazit: es war zwar eine ganz schön weite Anfahrt, für die paar Kilometer in den Vogesen, aber es hat sich trotzdem irgendwie gelohnt. Immerhin bin ich meinen ersten kleinen Pass sauber hochgefahren!