Der Patron der 2. Geschwindigkeit
Mittwoch 22. Juli 2009 von heinzhelfgen
Wer ist der Patron der 2. Geschwindigkeit? Marc Madiot, weil er den Begriff erfunden hat? Lance Armstrong, weil auch das Peloton der 2. Geschwindigkeit noch vor ihm kuscht? Rinaldo Nocentini, wegen der 8 Tage in Gelb und weil er so heißt wie ein richtiger Patron? Bradley Wiggins, weil er die 2. Geschwindigkeit so dominiert?
Ich würde eher sagen: Sankt Bernhard, weil er nach langer Durststrecke der 2. Geschwindigkeit ein so gutes Ergebnis beschert hat.
1. ASTARLOZA Mikel 61 EUSKALTEL - EUSKADI 4h 14′ 20″
2. CASAR Sandy 101 FRANCAISE DES JEUX + 00′ 06″
3. FEDRIGO Pierrick 144 BBOX BOUYGUES TELECOM+ 00′ 06″
4. ROCHE Nicolas 89 AG2R LA MONDIALE + 00′ 06″
Die ersten vier Fahrer der 16. Etappe gehören zur 2. Geschwindigkeit, das gab es bisher noch nie! Und auch in der Gesamtwertung sieht es eigentlich sehr gut aus:
3. WIGGINS Bradley 58 GARMIN - SLIPSTREAM + 01′ 46″
7. LE MEVEL Christophe 106 FRANCAISE DES JEUX + 03′ 09″
10. VANDE VELDE Christian 51 GARMIN - SLIPSTREAM + 03′ 59″
11. ASTARLOZA Mikel 61 EUSKALTEL - EUSKADI + 04′ 38″
14. NOCENTINI Rinaldo 87 AG2R LA MONDIALE + 05′ 26″
15. CASAR Sandy 101 FRANCAISE DES JEUX + 05′ 40″
19. GOUBERT Stephane 85 AG2R LA MONDIALE + 09′ 14″
20. FEILLU Brice 174 AGRITUBEL + 10′ 00″
21. VELITS Peter 187 TEAM MILRAM + 10′ 54″
23. GERDEMANN Linus 181 TEAM MILRAM + 11′ 16″
Bradley Wiggins fährt überraschenderweise so stark, dass er eigentlich nicht mehr zur 2. Geschwindigkeit gehört, viel mehr will ich gar nicht über ihn schreiben.
Christophe Le Mevel hatte Glück, dass er in der richtigen Gruppe war, hat seine Position in den 2 Alpenetappen aber bravourös verteidigt. Für mich das eigentliche gelbe Trikot der 2. Geschwindigkeit.
Christian Vandevelde ist bisher der konstanteste unter den Fahrern der 2. Geschwindigkeit. Anders als beim Teamkollegen Wiggins kommt es bei ihm auch nicht so überraschend.
Mikel Astarloza hat in alter baskischer Tradition angegriffen, wann immer es ging. Gestern wurde er belohnt und hat die Tour für sich und für Euskaltel bereits zum Erfolg gemacht. Was jetzt noch kommt, ist ein Bonus. Obwohl Top10 (im echten Gesamtklassement) natürlich schön wäre.
Rinaldo Nocentinis 8 Tage in Gelb waren der größte Erfolg seiner Karriere. Im Moment hält er sich noch ganz gut im Gesamtklassement. Ich schätze aber, dass er es in den nächsten Tagen eher locker angehen wird.
Sandy Casar war zweimal in der richtigen Gruppe, wo er zweimal zu kämpfen hatte, aber dafür beloht wurde daß er sein Tempo gefahren ist. Fährt sonst eine konstante Tour. Mal sehen, ob FDJ ihn oder Le Mevel unterstützt.
Stephane Goubert fährt auf seine alten Tage noch einmal eine starke Tour. Ihm ist zuzutrauen, daß er heute und am Ventoux mit den besten der 2. Geschwindigkeit mithalten kann. Seine beste Platzierung bei der Tour war ein 17. Platz 2002. Ich wünsche dem alten Haudegen, dass er sich verbessern kann!
Brice Feillu fährt in den Alpen nicht mehr ganz so stark wie in den Pyrenäen, verteidigt aber immer noch das weiße Triktot der 2. Geschwindigkeit.
Peter Velits hatte gestern seine große Chance auf eine gute Platzierung, ist aber leider in der Schlussphase der Etappe wieder zurückgefallen, schade. Trotzdem hat er noch Chancen auf das weiße Trikot der 2. Geschwindigkeit.
Linus Gerdemann war nie ganz schlecht unterwegs, hat aber auch gestern als Kapitän von Milram wieder enttäuscht. Dem Deutschen Team bleibt eigentlich nur noch die Hoffnung, dass ein Fahrer in den nächsten Tagen die richtige Gruppe erwischt und das beste draus macht.
Wer ist für Euch der Patron der 2. Geschwindigkeit? Kommentare sind ausdrücklich erwünscht.
PS. Beste Genesungswünsche an Jens Voigt, im Moment sieht es so aus dass sein Schutzpatron schlimmeres verhindert hat.
Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 22. Juli 2009 um 07:41 und abgelegt unter Tour de France. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.
Mittwoch 22. Juli 2009 um 12:10
gute Zusammenfassung! Bisher Patron wohl Bradley Wiggins, allein durch seine Platzierung in der Gesamtwertung. Auch wenn ich es merkwürdig finde, dass er auf einmal so gut in den Bergen fährt. Aber nun ja, bisher war die Tour nicht besonders selektiv. Wenn ich da an die Abstände früher denke…
Donnerstag 23. Juli 2009 um 15:18
Jetzt fragt sich nur welcher Heilige Bernhard als Patron herhalten muss? Bernhard von Clervaux, Patron von Gibralter, fällt da wegen geographischer Verwirrung wohl flach, obwohl er als Kreuzzugsprediger ja dann doch wieder ganz gut zum Radsport passen würde. Naheliegender ist Bernhard von Menthon, der als Schutzpatron der Bergbewohner und Kletterer schon hübscher ins Bild passen würde. Oder ist es auch im Peloton der zweiten Geschwindigkeit der heilige Bernhardiner mit dem “Rumfass”?
Ernst jetzt: Ich weilte während Nocentinis Gelbphase gerade in Bella Italia - da gewinnt man mal eine Etappe und kriegt es viel zu spät mit, wie ärgerlich! - und die Gazzetta jubelte Rinaldo blumigst in den siebten Himmel, verglich ihn sogar mit Pantani. Das erscheint mir eindeutig zu hochgegriffen, aber die italienische Liebe zu opernhafter Dramatik - il amo cantare e ballare! - bereitete einfach Vergnügen. Wiggins ist mir in den Bergen zu “schnell” - das hat mit zweiter Geschwindigkeit nicht mehr viel am Hut. Le Mevel und Casar sind Sympathieträger … aber Patrone? Deshalb mein Votum: das Nüssli, zumal er mir eine Menge Punkte im Spiel beschert hat. g*
Donnerstag 23. Juli 2009 um 19:10
Danke Euch beiden, also wird der Blog doch gelesen
Im Moment denke ich, dass “Patron” ganz gut zu Marc Madiot passt - zumal er mit seinem Team dieses Jahr recht erfolgreich ist, vielleicht auch weil FDJ-Fahrer eher in eine Gruppe kommen als z.B. Milram-Fahrer. Und sogar Wiggins hat seinem Ex-Teamchef vor ein paar Tagen Respekt gezollt: http://twitter.com/bradwiggins/status/2665718856
Dienstag 17. November 2009 um 13:41
Im Nachhinein weiss man es immer besser - und mehr noch dazu. Weder EUS noch Astarloza haben im 2. Peloton allzu viel verloren.
Dagegen sprechen Doktor Losa, Iban Mayo, Inigo Landaluze und Mikel Astarloza. Hab ich jemanden vergessen?
Die Basken sind eben doch Spa(bana)nier, leider.