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02/07 2004

Ein Löwe in Frankreich

Mario Cipollini

Mario Cipollini
Copyright Cyclingimages

Text: Christine, Fotos: Cyclingimages

Von 1992 bis 1999 bestritt Mario Cipollini regelmäßig die Tour de France und feierte bis dato 12 Etappensiege und wird in der Statistik auch als mehrfacher Träger des Gelben Trikots geführt. Nach vier Jahren Pause wird die diesjährige Ausgabe der Tour de France nun die Rückkehr des charismatischen Toskaners erleben.

 

1999 durften die Franzosen zum letzten Mal den Italiener „live“ bei der Frankreichrundfahrt bewundern. Er demonstrierte damals eindrucksvoll seine Sprintstärke indem er vier Etappen in Folge gewann und damit den Uralt-Rekord von Charles Pelessier aus dem Jahre 1930 egalisierte. Sein mittlerweile legendärer Auftritt als Caesar ist ein gutes Beispiel wie man sich werbewirksam in Szene setzen kann. Bei den Medien und Fans fand der Auftritt große Anerkennung, nicht aber beim Boss der Tour de France, Jean-Marie Leblanc. Für ihn war der Italiener fortan eine Person non grata, eine unerwünschte Persönlichkeit und seine Teams wurden bei der Wildcardvergabe unberücksichtigt gelassen.

 



Wer versteht J.-M. Leblanc?

2001 waren 16 (!) spätere TdF-Teams zum Zeitpunkt der Teamnominierungen schlechter platziert als Saeco, trotzdem wurden sie von Leblanc als zu schlecht befunden. 2002 legte Mario Cipollini ein phänomenales Frühjahr hin mit dem Sieg beim Weltcuprennen Mailand – San Remo und sechs Etappenerfolgen beim Giro d’Italia – auch das reichte nicht. Und selbst mit dem Weltmeistertitel im Gepäck erhielten Cipollini und sein Team 2003 zur Überraschung der meisten Experten keine Einladung. Leblanc sah sich starker Kritik ausgesetzt, nicht nur aus Italien. Selbst der US-Amerikaner Lance Armstrong sprach sich für eine Teilnahme Cipollini aus – vergebens.

 

2004 rechnete nicht wirklich noch jemand mit einer Nominierung von Mario Cipollini und seiner Mannschaft. Zum einen hatte der Radsportweltverband UCI Domina Vacanze aufgrund erheblicher Zweifel an der finanziellen Seriosität die GS I Lizenz verweigert und in die GS II abgestuft, zum anderen war Mario Cipollini mit 37 Jahren nicht mehr auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit. Als der Luccheser bei der Teampräsentation die Tour de France Teilnahme als eines seiner Ziele benannte, wurde dies unter dem Punkt „Aufmerksamkeit erregen“, „typisch Cipollini“ abgehakt. Umso größer war die Überraschung als Domina Vacanze dann Anfang März eine der begehrten Wildcards ergattern konnte. Aber trotzdem darf die Frage nach dem warum gestattet sein. Warum erhält ein Team, das so sehr auf die Person Mario Cipollini fixiert ist, erst eine Wildcard als seine Karriere auf dem absteigenden Ast ist? Erwartet Leblanc von einem 37-jährigen, dass er sich eher über die Berge quält als ein 35- oder 36-jähriger? Warum erhält ein GS II Team eine Wildcard, wo doch genau diese Tatsache im vergangenen Jahr als Argument gegen eine Einladung von Marco Pantani herangezogen wurde? Unverständlich.

 



2004 - Pleiten, Pech und Pannen

Die Saison 2004 lief bisher nicht nach den Vorstellungen von SuperMario. Er konnte zwar zwei Sprinterfolge (bei der Tour Med und bei der Tour of Georgia) verbuchen, bei seinen bisherigen Saisonhöhepunkten Mailand – San Remo und Giro d’Italia war er aber nicht in der Lage sich in einer Form zu präsentieren, die er, sein Team und seine Fans von ihm erwarten. Zu allem Überfluss musste er den Giro d’Italia auch noch vorzeitig beenden aufgrund den Folgen eines Sturzes verursacht durch seinen Mannschaftskameraden Andrus Aug. Das brockte ihm eine dreiwöchige Trainingspause ein.

 

Wie will er diesen Trainingsrückstand vor der Tour de France wettmachen, v.a. da er – wie er unlängst in einem Interview bestätigte – im hohen Radsportalter von 37 Jahren wesentlich mehr trainieren muss um die gleiche Leistung wie noch vor ein paar Jahren abrufen zu können? Und dann gibt es mit Alessandro Petacchi einen Gegner, der momentan anscheinend nahezu mühelos die Sprintelite beherrscht. Wenn alles „normal“ läuft, wird Petacchi seinen Gegnern nicht viele Möglichkeiten zum Sieg lassen. Wenn Mario Cipollini im bisherigen Saisonverlauf nicht geblufft hat, wird es ihm schwer fallen am Thron von Petacchi zu kratzen, zumal er sich die Kapitänsrolle und Helfer mit Domina Vacanzes Nachwuchshoffnung Michele Scarponi, der bergiges Terrain bevorzugt, teilen muss. Alles im allem keine rosigen Aussichten für eine erfolgreiche Tour de France. Aber bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt und es gibt wohl niemand, der Cipollini nicht einen würdigen Abgang von der großen Radsportbühne gönnen würde.

 

Ciao, Mario – alles Gute!

 


Mario Cipollini

Cipollini mit Kindern beim Giro
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