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Historische Rennberichte



Ein Radrennen mit Hindernissen im Sportpark Friedenau bei Berlin

Illustrirte Zeitung. Nr. 3079. 3. Juli 1902. Seite 18
Nach einer Skizze von E. Hosang gezeichnet von O. Gerlach





Vor kurzem hat auf der bekannten Radrennbahn im Sportpark Friedenau bei Berlin, wo die größten Meisterschaften ausgefochten werden, ein sehr originelles Hindernißrennen stattgefunden, das insofern einen sehr fesselnden Verlauf nahm, als 26 tüchtige Fahrer dasselbe bestritten. Bei dem großen Antheil, den diese noch nicht oft vorgeführte Art des Radrennens erwecken muß, wird es die vielen Sportfreunde unter den Lesern interessiren, etwas Näheres über die Hindernisse zu erfahren. Die Ellipse der frienauer Rennbahn hat 500 Mtr. Umfang und mußte sechsmal umkreist werden; es waren also 3000 Mtr. Distanz zurückzulegen. Die Hindernisse waren innerhalb der Bahn auf dem Rasen und auf dem Cement der Bahn selbst angebracht, die letzgenannten aber so angelegt, daß zu gewissen Zeiten die Radler an ihnen vorbeifahren konnten. An den Hindernissen hatten sich Posten aufgestellt, die kleine Flaggen in die Höhe hielten, wenn die Hindernisse zu nehmen waren, sie aber senkten, wenn die Fahrer die Hindernisse unbeachtet lassen durften. Diese Hindernisse waren sämmtlich derartig, daß die Fahrer vor denselben absteigen und ihr Rad hinüber= oder hindurchtragen mußten. Nur bei dem Thor brauchte der Fahrer sich nicht vom Rade zu trennen, wenn er es wagte, durch die enge Pforte hindurchzufahren; ebenso waren die Brücke und die Klappbrücke mit dem Rade zu überschreiten. Bei der ersten Runde war erst innerhalb der letzten 10 Mtr. eine aus Holzbalken hergestellte Barriere zu nehmen. Die zweite Runde brachte abermals eine Barriere, eine Hürde, ein Gebüsch und die Brücke. Letztere war 1 Mtr. hoch und hatte vorn und hinten steile Anrampungen aus Brettern. Bei der dritten Runde ging es 160 Mtr. weit auf der Cementbahn, dann in den Innenraum der Bahn hinein, wo ein trockener Graben von 1 Mtr. Tiefe zu nehmen war. Durch das Thor ging es wieder auf die Bahn und hier über die Barriere und die Klappbrücke. Die letztere war in der Mitte durch eine Achse gestützt. Dem herankommenden Fahrer bot die Brücke in ihrer ersten Hälfte eine leicht zu nehmende schiefe Ebene; war aber die Mitte überschritten, so klappte die vor dem Fahrer befindliche zweite Hälfte herunter auf den Cement der Bahn. Kam in demselben Augenblick der nächste Fahrer heran, während das hintere Ende der Brücke noch hochstand, so konnte er nicht hinüber und kam leicht zu Fall. In der vierten Runde ging es wieder in den Innenraum, an der Curve entlang noch 200 Mtr., dann Hürde, Innenraum, Gebüsch, auf die Bahn, Barriere, Klappbrücke, 200 Mtr. freie Bahn, darauf Barriere, Hürde, Gebüsch, Brücke, in den Innenraum, Wassergraben und endlich freie Bahn zum Ziel. Das Rennen war für die Theilnehmenden reich an Ueberraschungen und Schwierigkeiten. Es gab manchen sehr böse aussehenden Sturz, aber keiner der Fahrer nahm ernstlichen Schaden.. A. O. Kl.




 

Bildarchiv: cycling4fans

Die Bilder können verwendet werden, für einen Quellenhinweis wären wir dankbar.

 

Oktober 2004

Beitrag von maki


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