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Historische Rennberichte



Match zwischen dem Radfahrer Fischer und dem Reiter Cody

Ueber Land und Meer.
Deutsche Illustrirte Zeitung. Nr. 49. 1894. Seite 1005.
Originalzeichnung von Albert Staehle.





München hatte in der jüngsten Zeit das interessante Schauspiel eines Wettkampfes zwischen einem Radfahrer und einem Reiter gehabt. Der Reiter G. F. Cody aus Texas, ein Sohn des bekannten Buffalo Bill, und der Dauer=Radfahrer Fischer aus München, der "Altsieger", kämpften in einem siebenstündigen Rennen den Wettkampf derart aus, daß am 15. August zwei, am 17. August zwei und am 19. August drei Stunden lang gefahren, beziehungsweise geritten wurde. Zu diesem Schapsiel - so meldet ein Berichterstatter - hatte sich am ersten Tage eine kolossale Menschenmenge auf dem Rennplatz des Münchener Velocipedclubs eingefunden.
Nach einer Stunde hatte Fischer 78, Cody 69 Runden; nach Ablauf der festgesetzten zwei Stunden Fischer 151 und Cody 139 zurückgelegt. Die Bahnlänge (Runde) betrug für den Radfahrer 500 Meter, für den Reiter 494 Meter. Es hatte somit Fischer in zwei Stunden 75 1/2, Cody 68 Kilometer 666 Meter zurückgelegt.. Cody der während des Rennens von seinen zehn Pferden sechs benutzte, bewies sich als ausgezeichneter Reiter. Bewundernswert war sein Ab= und Aufsprung beim Wechsel der Pferde, was in etwa vier Sekunden vor sich ging; jedoch verlor er dadurch jedesmal etwa 60 Meter, woran insbesondere seine Bedienung schuld trug. Am 19. August wurde der Match Cody=Fischer zu Ende geführt. Fischer schlug Cody um 25 Kilometer 984 Meter, die beiden Vortage mit eingerechnet in siebenstündigem Rennen um 49 Kilometer 538 Meter. Das Ergebnis des Kampfes war, wie dem Fränkischen Kurier geschrieben wird, bereits nach dem Rennen des zweiten Tages, nachdem Fischer vor Cody bereits einen Vorsprung von 23 Kilometer 554 gewonnen, vorauszusehen, aber gleichwohl wurde ein solcher Vorsprung nicht erwartet. Dies hatte zumeist darin seinen Grund, daß die Lage für beide Rivalen nicht die gleiche war. Die Velocipedbahn, die Fischer fuhr, ist eigens für Radwettfahrten hergestellt, während die Reitbahn an der Innenseite sich für ein Pferderennen überhaupt nicht eignete. Die Kurven waren zu kurz und auch die Längsseiten zu wenig lang, als daß Cody seine Pferde so recht hätte ausgreifen lassen können. Wenn dies aber gleichwohl ein paarmal geschah, so überholte der Reiter den Radfahrer, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß Cody in einer besseren Bahn bei gutem Pferdematerial auch den besten Dauerfahrer besiegt hätte, wie er auch in Paris, Pest und anderen Orten die besten Straßenfahrer schlug.
Cody ritt am letzten Tage drei Stunden im Galopp auf gewechselten Pferden. Indes der Ausssichtslosigkeit eines Sieges nach einem Vorsprunge Fischers von über 23 Kilometer sich bewußt, schonte er heute sichtlich seine Pferde, die auf der durchweichten Bahn besonders an der hinteren Kurve bis über die Hufe einsanken. Nur ganz am Schlusse des Rennens ließ er seine Fertigkeit im Reiten nochmals in vollem Lichte glänzen. Nachdem er doch bereits nahezu drei Stunden im Galopp in eleganter Haltung, ohne jede sichtliche Erschlaffung geritten, überholter er Fischer mit dem vorletzten Pferde nahezu um eine halbe Runde (250 Meter), verlor indes den Vorsprung wieder, als er das letzte Pferd wechselte, aber schnell wieder im Sattel, wie immer, sauste er hinter ihm drein und erschien nahezu 200 Meter vor ihm am Ziele. Der Jubel über den Sieg Fischers und die unermeßliche Leistung Codys war ungeheuer. Fischer fuhr am letzten Tage in drei Stunden 107 Kilometer, in den sieben festgesetzten Stunden überhaupt 258 1/2 Kilometer. Cody ritt am letzten Tage in drei Stunden 81 Kilometer 16 Meter und in den sieben Stunden 208 Kilometer 962 Meter.

Ob Fischer durch diese Kraftproben von Wettrennen seine Gesundheit nicht zu Grunde richtet? Die Bezahlung für die sieben Rennstunden, in denen er sich mit Cody maß, soll nur 350 Mark (für die Stunde 50 Mark) betragen. Den Hauptnutzen solcher Wettrennen zieht natürlich der Fahrradfabrikant ein, dessen Räder durch Fischers Leistungen Weltruf erhalten.




 

Bildarchiv: cycling4fans

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Oktober 2004

Beitrag von maki


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