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Tour de France 2004: Das offizielle Buch

 
 
Titel: 
Tour de France 2004: Das offizielle Buch 
Originaltitel: 
Le Livre Officiel du Tour de France cycliste 
Autor: 
Jacques Augendre 
Herausgeber: 
L’Equipe / A.S.O. 
Verlag: 
Delius Klasing; www.delius-klasing.de 
Layout: 
120 S., 145 Farbfotos, Format: 22,5*28,5 cm 
ISBN: 
3-7688-1555-2 
Preis: 
€ 16,90 
Bestellinfos: 


 




Das offizielle Buch der Tour de France 2004 mit einem Vorwort von Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc besticht insbesondere durch die Masse an spektakulären Bildern, die von den Objektiven der Fernsehkameras seinerzeit nicht oder nur unzureichend eingefangen wurden. Die Hintergrundberichte werden weitestgehend knapp gehalten. Die Präzision der Texte schwankt von informativ bis oberflächlich, wobei die Hauptrollen Lance Armstrong und Richard Virenque gewidmet werden, die beide in ihrer Kategorie für neue Rekordwerte (sechster Toursieg bzw. siebtes Bergtrikot) sorgten. Während Armstrong stattliche vier Kapitel der insgesamt 14 abdeckt, erhält Richard Virenque zwei separate Ausführungen: Zum einen wird ausführlich sein Parforceritt durch das Zentralmassiv beleuchtet, zum anderen seine jahrelang anhaltende Liebe zum Bergtrikot chronisch aufgearbeitet. Da die Inhalte des Buches in den Köpfen französischer Autoren entstanden, ist es nicht verwunderlich, dass „ihre Fahrer“ besonders in den Himmel gehoben werden, darunter natürlich auch die Tour-Überraschung Thomas Voeckler. Doch neben Voeckler und Virenque werden lediglich Sandy Casar und Jean-Patrick Nazon erwähnt. Dass speziell die beiden letzten Rennfahrer in französischen Augen als Überraschungen gewertet werden und dabei noch gesonderte Erwähnung finden, stellt schon in gewisser Weise den Status des französischen Radsports in Frage, wenn auch unabsichtlich, vermute ich.

Spannend zu lesen sind die Berichte über Armstrong und dessen Methodik, Jahr für Jahr aufs Neue Kraft und Motivation für drei Wochen Frankreich-Rundfahrt zu schöpfen, sowie sein Team und dessen Strukturen. Interessantes Detail am Rande: Ein Kapitel trägt die Überschrift „Lance Armstrong: Ganz oder gar nicht“. Wer Neuerscheinungen von Radsport-Büchern der jüngeren Vergangenheit genauer verfolgt hat, erhält spätestens hier sein „Aha-Erlebnis“ – nennt sich nicht auch die Biografie Jan Ullrichs „Ganz oder gar nicht“?

Enttäuschend hingegen sind jedenfalls Kurzberichte wie jener über Ivan Basso, den man sich auch hätte sparen können. Ein schönes historisches Anekdötchen wird dem französischen Volkshelden der 60er Jahre, Raymond Poulidor, gewidmet. Informativ sind ebenfalls die Kurzportraits der wichtigsten Tour-Fahrer, die einem jeden Kapitel angehängt wurden.

Zu guter letzt wird jede Etappe nochmals über eine Seite Revue passiert, wobei die Statistik-Fans dort nur unzureichend auf ihre Kosten kommen, werden doch lediglich die jeweils ersten drei einer jeden Etappe aufgelistet.

 

FAZIT: Das Buch hat Stärken und Schwächen. Für Tour de France-Fans und Nostalgiker mit Kurzzeitgedächtnis selbstredend ein Muss, allein schon aufgrund der faszinierenden Aufnahmen. Wer Spaß am Lesen und dabei vor allem an der Fülle von Texten hat, braucht dieses Buch nur bedingt. Mit ein wenig Muße und einer bis anderthalb Stunden Freizeit ist man rasch am Ende angelangt.

Jede Tour de France aber bietet zahlreiche Facetten, mag die Spannung bezüglich des Rennens noch so brach liegen. Leider hält sich das Angebot dieser Vielfältigkeiten in Grenzen. Doch wie so oft ist jedes Werk Geschmackssache und selbst ich würde es nicht umtauschen.

 

von Gines


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