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Tour de France 2001, 8. Etappe

von Max aka hasending, März 2005



15. Juli 2001: Colmar - Pontarlier

Eine ganz normale Überführungsetappe in Richtung Alpen hätte es werden sollen. Das Profil war mit einem Berg der dritten und einem der vierten Kategorie nicht zu anspruchsvoll. Eine Woche hatte die Tour 2001 in Belgien und Nordfrankreich bereits hinter sich gebracht. Bemerkenswert in dieser ersten Woche war, dass Laurent Jalabert, den niemand auf der Rechnung hatte, für seinen neuen Rennstall CSC in dieser ersten Woche bereits zwei Etappensiege feierte. Der zweite Sieg gelang ihm am Vortag dieser Etappe, als er sich im Etappenfinale aus einer 4 Mann starken Ausreißergruppe absetzte und vor dem Deutschen Jens Voigt gewann, der mit dem Maillot jaune für den verpassten Etappensieg entschädigt wurde. Neben Voigt fuhren noch zwei weitere Deutsche Wertungstrikots der Tour spazieren: Erik Zabel wie gewohnt in grünen Sprintertrikot und Jörg Jaksche im weißen Trikot des besten Jungprofis.



der ultimative Vorstoß

Doch zurück zu der „normalen“ Etappe, die gar nicht so recht normal werden wollte. Es fing schon mit dem Wetterbericht an: 10-15 Grad Celsius waren angesagt, Regen und böiger Wind. Und das auf der drittlängsten Etappe der Tour 2001. Keine guten Vorzeichen für die Tourfavoriten, die vor den Alpen noch einmal Kräfte schonen wollten. Gute Vorzeichen hingegen für Fahrer wie den belgischen Haudegen Ludo Dierckxens vom Team Lampre-Daikin, der ein gutes Frühjahr hinter sich hatte. Das Wetter lag ihm und die Chancen, dass eine Gruppe „durchkommt“, standen gut. .





der Sieger von Paris-Roubaix 2001
Servais Knaven
© peloton-pictures.com

Also ließ sich der liebe Ludo nicht lange lumpen und lancierte nach fünf Rennkilometern die erste Attacke. Ihm folgten sogleich Marc Wauters (Rabobank), Nicola Loda (Fassa Bortolo) und Aitor Gonzalez (Kelme). Als die vier sich ein wenig absetzen konnten folgten ihnen 11 weitere Fahrer, unter ihnen Ausreißerkönig Jacky Durand (La Francaise des Jeux), der deutsche Sven Teutenberg mit Teamkamerad Pascal Chanteur (beide Festina), die beiden Kasachen Andrei Kivilev (Cofidis) und Alexandre Vinokourov (Telekom), der Überraschungssieger von Paris-Roubaix Servais Knaven (Domo-Farm Frites), Erik Dekker, der im Vorjahr 3 Touretappen für sich entscheiden konnte, und sein Rabobank Teamgefährte Bram de Groot.

 

Diese Gruppenzusammensetzung schien einigen Teams nicht zu gefallen, denn US Postal Service und ONCE machten sofort die Pace. Als Vinokourov kurze Zeit später mit Defekt ins Feld zurückfiel, beendeten die beiden Teams sofort die Führungsarbeit. Vino war es also, den man nicht ziehen lassen wollte. Die anderen 14 wurden offenbar nicht als gefährlich angesehen, denn man ließ sie ziehen



Auch das Credit Agricole Team von Spitzenreiter Jens Voigt hielt still, denn Stuart O´Grady war auch in dieser Gruppe und würde im Falle, dass die Gruppe ankommt das gelbe Trikot von Voigt zurückerobern. Also gab die Gruppe Gas, während das Feld die Beine hochnahm. Zur Hälfte des Rennens hatte die Gruppe bereits 22 Minuten Vorsprung. Also machte sich das Feld nun doch halbherzig auf die Verfolgung, um den Abstand nicht zu groß werden zu lassen. Und es war klar, dass die Gruppe nicht mehr eingeholt würde. Also musste man O´Grady als endschnellen Mann für den Etappensieg auf der Rechnung haben. Ebenso den nicht minderschnellen Deutschen Sven Teutenberg, der mit Chanteur einen Mann dabei hatte, der Löcher zufahren und einen Sprint anziehen könnte, zumindest hoffte man das als deutscher Fan. Die Hoffnungen auf Chanteur musste man jedoch ziemlich schnell begraben: Nachdem der Regen aufhörte, öffnete Chanteur sein Cape und funktionierte es so zu einem Bremsfallschirm um. Prompt fiel Chanteur ohne Not aus der Gruppe heraus. Nun war der arme Sven alleine und man konnte ahnen, dass die 3 Rabos in der Gruppe nicht darauf warten würden, wie er und O´Grady um den Etappensieg sprinten.



packende Entscheidung

Weniger als 50 km vor dem fand diese Vorahnung ihre Bestätigung. Erik Dekker attackierte und nur Servais Knaven konnte ihm folgen. Bevor die beiden der Gruppe völlig enteilen konnten machte sich der unbekannte Aitor Gonzalez vom Kelme Team auf die Verfolgung. In seinem Windschatten der Sieger der 2. Etappe Marc Lotz, der den Vorteil seines Teams geschickt ausspielte. Gonzalez konnte schließlich zu Dekker und Knaven aufschließen. Zu viert arbeiteten sie gut zusammen und während sich ihre Verfolger in der Verfolgung nicht einig waren, wuchs der Vorsprung der vier Fahrer auf über zwei Minuten an. Als die Gruppe sicher war, dass sie ankommt, begannen die Scharmützel von Neuem. Dekker und Lotz griffen abwechselnd an, um ihre Begleiter abzuschütteln. Gonzalez und Knaven, die sicherlich wussten, dass die gegen 2 Rabos schlecht aufgestellt waren, arbeiteten gut zusammen, so dass sich immer nur einer von ihnen auf die Verfolgung der Angriffe machte. Sie griffen sogar selber an, so dass die letzten Kilometer der Etappe ein ständiges Angreifen und Nachsetzen waren. Immer wieder stießen Pärchen aus einem Rabobank- und einem nicht Rabobankfahrer mit wechselnder Besetzung aus der Vierergruppe heraus - Radsport vom Feinsten und die spannendste Touretappe, die ich am Fernseher verfolgte.

 





Erik Dekker, der Etappensieger vom 15.07.2001
© peloton-pictures.com

Keiner ließ nach und alle fighteten bis zum Schluss. Am Ende gewann Erik Dekker im Sprint gegen Aitor Gonzalez vor Servais Knaven. Den Sprint um Platz fünf gewann Stuart O´Grady von Sven Teutenberg. Vorbei war es mit der deutschen Herrlichkeit, denn O´Grady nahm nicht nur Jens Voigt das gelbe Trikot ab, sondern auch Zabel das Grüne. Allerdings konnte Zabel das grüne Trikot später in hartem Kampf zurückerobern und nach Paris bringen, während Jan Ullrich mit 6:44 Minuten Rückstand knapp an seinem zweiten Toursieg vorbeischrammte. Immerhin kamen er und Armstrong überhaupt in Paris an. Denn als sie bei dieser 8. Etappe mit dem Feld 35:54 Minuten nach Erik Dekker ins Ziel kamen, lagen sie außerhalb der Karenzzeit und es stand der Jury frei, das komplette Feld aus der Tour de France 2001 zu eliminieren. Erwartungsgemäß sah die Jury davon ab und beließ die Favoriten im Feld. Dennoch war es in meinen Augen ein denkwürdiger Tag in der Geschichte der Tour de France.


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