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Saisonvorschau Caisse d’Epargne (Illes Balears) 2006

von CV-Kelme-Fan, Fotos: * velo-photos.com, **Capture-the-Peloton



 

Zur Saison 2006 wird das ehemalige Banesto-Team erneut die Farben wechseln, denn statt dem letztjährigen Hauptsponsor Illes Balears, ist es nun die französische Bank Caisse d’Epargne, die als Hauptsponsor fungiert. Doch Illes Balears wird sich nicht ganz aus dem Radsport zurückziehen und auch weiterhin eine wichtige Einnahmequelle des Teams sein.

 

Auch im Bereich der Fahrer hat Teammanager José-Miguel Echavarri einige Änderungen vollzogen. Die wohl wichtigste stellt dabei der Weggang des ehemaligen Teamkapitäns Francisco Mancebo dar, der im letzten Jahr sowohl bei der Tour de France, als auch bei der Vuelta a Espana als 4. knapp das Podium verpasste. Mancebo geht zum französischen Pro Tour Team Ag2r, während Caisse d’Epargne jetzt ganz auf seinen Jungstar Alejandro Valverde setzt. Doch neben Mancebo haben weitere Leistungsträger, darunter die Gebrüder Aitor und Unai Osa (beide zu Liberty Seguros) und einige Helfer das Team verlassen.

 

Allerdings will Caisse d’Epargne sich langfristig im Radsport etablieren, weshalb das Teammanagement eine Reihe junger, guter Fahrer verpflichtet hat. Vor allem der Sieger der Clasica San Sebastian Constantino Zaballa und der Tour-de-France Etappensieger Oscar Pereiro fallen dabei ins Auge. Mit Berthou, Brard, Perget und Portal hat das spanische Team mit dem französischen Hauptsponsor jetzt auch 4 Franzosen ins Team geholt; ein Vorgang, der sich in den nächsten Jahren fortsetzen könnte.

 



Die Kapitäne



Alejandro Valverde während der Tour de Suisse 2005 *

Man kann den 25-jährigen Alejandro Valverde vor der Saison 2006 durchaus als den klaren Kapitän des Teams Caisse d’Epargne bezeichnen. Der Spanier gilt schon seit mehr als einem Jahr als legitimer Nachfolger Miguel Indurains. Nach guten Leistungen bei der Vuelta für Kelme, konnte Valverde im letzten Jahr bei Illes Balears dann endlich auch international auftrumpfen. Sein Etappensieg bei der Tour de France in Courchevel noch vor Lance Armstrong wird vielen in Erinnerung geblieben sein. Trotz seiner späteren Aufgabe bei der Grande Boucle, kann man Valverde aufgrund seiner Leistungen im Vorjahr zu den Favoriten auf den Toursieg oder zumindest zu einem auf einen Podiumsrang in Paris zählen. Mit Druck kommt Alejandro Valverde vielleicht auch auf Grund seines Alters sehr gut klar. Er muss noch nicht dieses Jahr gewinnen, es reicht auch, wenn es erst nächstes Jahr klappt. Das bewies auch seine Silbermedaille bei der WM in Madrid, bei der er trotz des Druckes auf sein einheimisches Team ein klasse Rennen ablieferte. Man sollte mit Valverde aber nicht erst im Juli bei der Tour oder später bei der WM rechnen. Auch bei den kleinen spanischen Etappenrennen oder einem seiner erklärten Ziele, den Frühjahrsklassikern, ist er jederzeit in der Lage, um den Sieg mitzufahren. 

 





Vladimir Karpets *

Als Vladimir Karpets im Jahre 2003 bei der Tour de France das weiße Trikot des besten Jungprofis gewann und im Gesamtklassement am Ende 13. wurde, waren selbst viele Experten über die Leistung des Russen überrascht. Doch diese Leistung kam nicht von ungefähr. Der 25-jährige hatte sich zunächst bei Itera in Russland und dann bei seinem neuen Arbeitgeber iBanesto.com zu einem Top-Rundfahrtspezialisten entwickelt. Im letzten Jahr fuhr Karpets den Giro d’Italia zwar relativ unauffällig in den Bergen, landete aber auch wegen seinen Zeitfahr-Qualitäten am Ende auf einem starken 7.Rang. Nach dem Abgang von Mancebo ist Karpets eventuell noch mehr gefordert, da ein wichtiger Mann bei der Tour de France fehlt.. Dennoch wäre es ratsam erneut beim Giro d’Italia an den Start zu gehen. Denn für seine Entwicklung ist es sicherlich besser, als Kapitän dort zu fahren, als bei der Tour als Edelhelfer im Windschatten von Valverde oder Pereiro zu fahren. Egal bei welcher Rundfahrt Karpets fährt, Giro oder Tour, vorne dabei ist er sicherlich. Auch in der Vorbereitung wird er bestimmt das eine oder andere Mal in Erscheinung treten.

 





Oscar Pereiro **

Hätte man mich im letzten Jahr gefragt, wer der kämpferischste Fahrer der Tour de France gewesen sei, so hätte ich nicht mit Vinokourov oder Rasmussen geantwortet, sondern ohne zu zögern mit Oscar Pereiro. Der Spanier hat momentan die Saison seiner Karriere hinter sich, die ihn einerseits motivieren und andererseits fordern wird. Zunächst überzeugte er als Phonaks Speerspitze bei diversen spanischen Rundfahrten und dann bei der Tour de Romandie, bei der er das Prologzeitfahren gewann. Täuschen darf man sich aber nicht. Trotz seiner Stärke bei Prologzeitfahren, ist der Spanier keineswegs ein Spezialist für den Kampf gegen die Uhr, vor allem wenn es ein langes Zeitfahren ist. Im Juli wurde Pereiro zum zweiten Mal in Folge 10. bei der Tour de France, und wie! Schon vor seinem Etappensieg auf der 16.Etappe hatte er mehrmals gefährlich attackiert, Courage bewiesen und war dem Sieg schon sehr nahe gewesen. Bei Caisse d’Epargne wird Oscar Pereiro versuchen an 2005 anzuknüpfen und ähnliche Erfolge einzufahren. Bei der Tour de France und der Vuelta wird er wohl als Valverdes Edeldomestike an den Start gehen und wertvolle Arbeit leisten. Gleichzeitig wird er bei den Herbstklassikern wie der Züri Metzgete und bei den kleinen Pro Tour – Rundfahrten die Kapitänsrolle übernehmen können oder versuchen bei der Tour seinen Etappensieg zu wiederholen.

 





Constantino Zaballa *

Mit Constantino Zaballa hat Caisse d’Epargne einen weiteren hochkarätigen Fahrer verpflichtet und meiner Meinung nach einen ebenso großen Fang gemacht wie mit Pereiro. Zaballa fiel schon in seiner Zeit beim spanischen Kelme-Team durch seine sehr offensive und aggressive Fahrweise auf und errang einige kleine Siege. Der ganz große Satz gelang dem 27-jährigen aber erst bei Saunier Duval. 2004 gewann er endlich eine Vuelta-Etappe und im letzten Jahr wurde er der Überraschungssieger bei der Clasica San Sebastian. Auch wenn es Zaballa eventuell nicht gelingen wird, den Titel dort zu verteidigen, hat er das Zeug dazu mit soliden Leistungen bei den Klassikern (von Lüttich-Bastogne-Lüttich bis zur Züri Metzgete) die Kapitäne Pereiro und Valverde zu entlasten oder als Trumpfkarte gespielt zu werden. Bei den großen Rundfahrten ist Zaballa ein zuverlässiger Helfer, der im Mittelgebirge um Etappensiege kämpfen kann. Doch sein 3. Rang bei Paris-Nizza aus dem letzten Jahr zeigt, dass auch er durchaus auf eigene Kappe fahren kann.



Weitere Leistungsträger



Isaac Galvez
Critérium International 2005 *



Vicente Reynes
Giro d'Italia 2005 *

Neben den Kapitänen bei den großen Rennen gibt es noch einige aussichtsreiche Kandidaten, die bei Caisse d’Epargne die eine oder andere Kapitänsrolle übernehmen können oder außerhalb der Pro Tour die Siege einfahren werden.

 

Die spanischen Teams glänzten schon immer vorwiegend mit Kletterern, Sprinter waren und sind die Seltenheit. Caisse d’Epargne allerdings besitzt mit Isaac Galvez einen spurtstarken Mann, der schon einige Male beim Giro glänzte. Etappensiege blieben im jedoch verwehrt. Vielmehr ist mit Galvez bei den Rennen der UCI Europe Tour zu rechnen, so zum Beispiel bei der Mallorca Challenge im Februar, bei der er traditionell vorne zu finden ist. Im letzten Jahr gewann er auch eine Etappe des Critérium International.

 

Ein weiterer endschneller Mann ist der junge Vicente Reynes, der im letzten Jahr bei Paris-Nizza triumphierte. Der 24-jährige ist im Gegensatz zu Galvez auch bei den Klassikern, allen voran Mailand – San Remo zu beachten.

 

Verstärkt wird die Sprinterfraktion 2006 vom Russen Alexei Markov, der in Portugal bei Milaneza in den Massensprints fast alles abräumen konnte, was es zu gewinnen gab. Doch in diesem Jahr muss sich Markov erst noch entwickeln und den Sprung von Portugal in die Pro Tour schaffen. Schafft er das schnell, ist bei dem ein oder anderen Rennen schon mit ihm zu rechnen.

 





Antonio Colom **

Caisse d’Epargne bzw. Illes Balears, das stand in den letzten Jahren auch immer für ein Feuerwerk am Saisonanfang. Für dieses Feuerwerk sorgte neben Alejandro Valverde meist der Mallorquiner Antonio Colom. Seine Herkunft lässt darauf schließen, dass der 27-jährige bei der Heimatrundfahrt besonders motiviert sein wird. Doch auch bei anderen mittelschweren Etappenrennen wie der Murcia-Rundfahrt ist er zu beachten. Bei den großen Rundfahrten muss er dann selbst zum Helfer werden und im Gebirge alles für seine Kapitäne geben.

 

Ein weiterer Mann, der im letzten Frühjahr überzeugte und sich als überraschender Führender der UCI Europe Tour einen Namen machte, ist Aitor Perez. Er kam in diesem Jahr vom Spiuk-Team. Mehr als ordentliche Platzierungen bei mittelschweren Etappenrennen sind aber auch von ihm in seinem ersten Pro Tour Jahr nicht zu erwarten, ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Doch hoffentlich verschwindet Perez nicht wieder, wie zum Ende des letzten Jahres hin, in der Versenkung.

 





Joaquin Rodriguez **

Kommen wir nun zu den schweren Rundfahrten in der Mitte des Jahres. Auch hier konnte sich Illes Balears verstärken, obwohl die Gebrüder Osa das Team verlassen haben. Eine Verstärkung ist zum Beispiel Joaquin Rodriguez, der im gelben Saunier Duval – Trikot im letzten Jahr bei der Clasica San Sebastian hinter Teamkollege Zaballa 2. wurde und anschließend bei der Vuelta die Bergwertung gewann. Ähnliches ist ihm auch in diesem Jahr wieder zuzutrauen. Rodriguez kommt zwar vor allem für das Gesamtklassement bei einwöchigen Rundfahrten in Frage, doch auch bei der Vuelta sollte man ihn nicht unterschätzen. Immerhin gewann er dort 2003 schon eine Bergankunft.

 

Schon vor der Vuelta verpflichtete der spanische Manager José Miguel Echavarri den 27 Jahre alten Francsisco Perez. Der Spanier Perez war bis dahin in Portugal für sein Milaneza-Team der dominante Mann bei den Rundfahrten gewesen und war auch als Favorit in die Portugal-Rundfahrt gegangen. Perez, sowohl starker Kletterer, als auch starker Zeitfahrer, brach dort allerdings auf einer Etappe als Gesamtführender ein und musste den Sieg abschreiben. In der Pro Tour wird er zwar nur Helfer sein und nicht wie bei Milaneza Kapitän, doch eine Verstärkung ist er allemal für das Team. Einigen wird Perez übrigens noch von der Tour de Romandie 2003 in Erinnerung geblieben sein, wo er sich 2 Etappensiege sicherte, einen davon zusammen mit Dufaux, nachdem er vor dem Ziel falsch abgebogen war. Wenig später wurde er jedoch beim selben Rennen positiv auf EPO getestet und eine dunkle Zeit begann, die er hoffentlich spätestens jetzt überwunden hat.

 





Vladimir Efimkin *

Weitere Hoffnungsträger sind der junge Russe Vladimir Efimkin, der im letzten Jahr eine tolle Saison, bei der er Etappen der Vier Tage von Dünkirchen und der Aragon-Rundfahrt gewinnen konnte, mit dem Gesamtsieg bei der Portugal-Rundfahrt abrundete, sowie der Zeitfahrspezialist Ivan Gutierrez. Efimkin muss mit seinen 24 Jahren in der Pro Tour aber erst einmal Erfahrung sammeln und sich in der Szene etablieren. Trotzdem ist die eine oder andere Überraschung nicht ausgeschlossen. Vorwiegend wird man ihn aber wie schon im letzten Jahr bei kleineren Rundfahrten weit oder sogar ganz weit vorne sehen. José-Ivan Gutierrez ist wohl der momentan beste Zeitfahrer Spaniens, was der 2-malige Erfolg des spanischen Meistertitels in dieser Disziplin bestätigt. Da der 27-jährige bei den großen Rundfahrten ohnehin nur als Helfer fahren wird, werden seine Ziele die kleineren Rundfahrten sein, bei denen er aufgrund seiner Zeitfahrstärke und ordentlichen Klettereigenschaften vorne ein Wörtchen mitreden kann. Vor allem aber wird das WM Einzelzeitfahren sein Saisonhöhepunkt sein, wenngleich er damit am Saisonende liegt. Dort wird er alles daran setzen, seinen 2.Platz aus dem Vorjahr zu verbessern und ganz oben auf dem Podium zu stehen.



Ausblick / Prognosen

Das Hauptaugenmerk des Teams Caisse d’Epargne liegt wie schon in den letzten Jahren auf den großen Rundfahrten, vor allem auf der Tour de France und der Vuelta. Alles andere als eine Top-Patzierung bei einem dieser Rennen oder eine wirklich herausragende Leistung eines Fahrers wird in Spanien als Enttäuschung gelten. Trotz der hohen Erwartungen und dem Abgang von Leistungsträger Mancebo ist das Team um Superstar Alejandro Valverde aber in der Lage sich zu beweisen und die Erwartungen sogar zu übertreffen. Valverde wird bei der Tour für die ein oder andere Überraschung sorgen können und sich anschließend vielleicht noch der Vuelta widmen. Sogar das Podium ist bei der Tour in meinen Augen möglich. Fällt Valverde, aus welchen Gründen auch immer, aus, ist es an der 2. Reihe um Pereiro oder Karpets, die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Dank Valverde und den Neuzugängen Zaballa und Rodriguez wird sich die spanische Equipe endlich auch mal wieder bei den Klassikern in Szene setzen. Natürlich ist auch die WM ein erklärtes Ziel, bei der im Zeitfahren auf Gutierrez und im Straßenrennen auf Valverde und Zaballa zu achten sein wird. Doch trotz der verstärkten Klassikerfraktion wird Caisse d’Epargne hauptsächlich bei Rundfahrten in Erscheinung treten, ob in der Pro Tour oder in der Europe Tour. Vor allem bei den kleinen Rundfahrten ist das Team schwer auszurechnen, da es mit Efimkin, Francisco Perez, Colom, Rodriguez oder aber auch Fertonani und Zandio über mehrer Fahrer verfügt, die in die Kapitänsrolle schlüpfen können. Auch bei Klettermaxe David Arroyo könnte in diesem Jahr endlich der Knoten platzen.

 

Da das Team nun einen neuen französischen Hauptsponsor hat, wird man aber in den nächsten Jahren im Bezug auf den Rennkalender wohl auch einen Schritt in Richtung Frankreich erkennen.

 



Fazit

Kommen wir nun von den vielen Prognosen zu meinem persönlichen Fazit:

 

Caisse d’Epargne (allen voran Valverde) wird sowohl in der, als auch außerhalb der Pro Tour kräftig Siege einfahren. Hauptsächlich bei den Rundfahrten wird das Team in breiter Front auftreten. Doch auch bei den Klassikern zählen Valverde, der bei der Tour de France sogar auf das Podium fahren kann, und Zaballa zu den Weltbesten, und sind immer für einen Sieg gut.

 

Die Chancen auf eine erfolgreiche Saison 2006 stehen gut, jetzt ist es am Team Caisse d’Epargne sie zu nutzen. Vielleicht reicht es ja zum Beispiel bei der Tour de France zu einer riesigen Leistung und wir erleben einen neuen Miguel Indurain.

 

Das Team ist jung und hat eine große Zukunft, doch all zu lange darf es nicht mehr warten, denn ganz Spanien erwartet viel und der Druck wird von Jahr zu Jahr steigen.

 



Das Team

Fahrer: David Arroyo, Eric Berthou (Fra), Florent Brard (Frau), José Luis Carrasco, Antonio Colom, Vladimir Efimkin (Rus), Imanol Erviti, Marco Fertonani (Ita), Isaac Galvez, Vicente Garcia Acosta, José-Ivan Gutierrez, Joan Horrach, José Julia, Vladimir Karpets (Rus), Pablo Lastras, Iker Leonet, Alexei Markov (Rus), Oscar Pereiro, Aitor Perez, Francisco Perez, Mathieu Perget (Fra), Nicolas Portal (Fra), Mikel Pradera, Vicente Reynes, Joaquin Rodriguez, Alejandro Valverde, Constantino Zaballa, Xabier Zandio

Teammanager: José Miguel Echavarri

Sportlicher Leiter: Eusebio Unzue, Alfonso Galilea, José Luis Jaimerena

Mehr Informationen unter: www.illesbalearsteam.com


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