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Team Vorschau: Gerolsteiner bei der Tour de France 2006

von Steamboat, 30.6.2006



Das Team aus der Eifel startet nun schon seit 2003 zum vierten Mal in Folge bei der Grande Boucle. Bei der ersten Teilnahme erreichten gerade mal drei Fahrer das Ziel in Paris. Bester war damals Georg Totschnig als 12. Ferner erreichten Udo Bölts (61.) und Marcus Zberg (92.) die Champs Elysees. Als Hauptziel wurde damals ein Etappensieg ausgegeben, den sowohl die drei als auch Rebellin, Rich, Peschel, Schmidt, Haselbacher und Pollack verfehlten. Dieser Rückblick soll die veränderte Erwartungshaltung zum heutigen Tage dokumentieren.

 



die Entwicklung seit 2003

Mittlerweile hat sich das Team von der Mitläuferrolle zu einer der wichtigsten Teilnehmer dieses Rennens gemausert. Das liegt vor allen Dingen an Levy Leipheimer, dessen Verpflichtung 2005 noch einige Verwunderung und Skepsis hervorrief. Zum einen bestanden Zweifel an seinem Leistungsvermögen, zum anderen sahen viele in ihm den Fahrer, der die Kapitänsstellung von Totschnig gefährden könnte, da 2004 der Österreicher Siebter und der Texaner Neunter wurde.

 

2005 zeigte sich aber das glückliche Händchen, das Teammanager Holczer bei dieser Transaktion hatte. Leipheimer belegte im Endklassement den sechsten Rang. Totschnig hingegen schien etwas von der Rolle zu sein. Eigentlich wollte er die Rundfahrt schon verlassen. In der Gesamtwertung schon aussichtslos abgeschlagen, bekam Totschnig die Erlaubnis, auf eigene Rechnung etwas probieren zu dürfen. Und endlich feierte Gerolsteiner einen Etappenerfolg bei der Tour, als „Totsche“ fast entkräftet aber überglücklich das Ziel in Ax-3-Domaines erreichte.

 



die Rollenverteilung 2006

Die Ausgangssituation im Vergleich zu 2005 hat sich vor dem Beginn der Tour verändert. Levy Leipheimer ist der unangefochtene Kapitän im Team. Dieses erklärt sich zunächst durch sein Abschneiden bei der letztjährigen Tour de France (und dem von Totschnig). Außerdem feierte der Amerikaner zwei grandiose Erfolge seit Ende der Tour 2005. Zunächst nutzte er direkt nach der Grande Boucle seine Form, um die Deutschland-Tour zu gewinnen. Dann fügte er wenige Wochen vor dem Beginn der Tour de France einen Gesamtsieg bei der Dauphiné Libéré seiner Palmares hinzu.

Bei dieser sehr anspruchsvollen Rundfahrt präsentierte er sich in starker Form. Zwar muss sich nun zeigen, ob er diese Leistung konservieren oder gar noch steigern kann, aber die Erwartungshaltung ihm gegenüber ist recht hoch. Nach dem Ausschluss der Favoriten Basso und Ullrich zählt er spätestens seit diesem Sieg zum engsten Kreis der Favoriten. 

Für die Erreichung dieses Ziels dürfte sich positiv auswirken, dass das Mannschaftszeitfahren dieses Jahr entfällt. Damit muss Leipheimer, selber ein starker Zeitfahrer, nicht bangen, Zeit aufgrund dieser Sonderform des Kampfes gegen die Uhr einzubüßen. Die Ausrichtung des Teams ist folglich auch nicht so sehr daran gebunden, starke Zeitfahrer nach Frankreich mitzunehmen, weshalb z.B. Michael Rich keine Berücksichtigung fand.

 

Georg Totschnig ist jetzt der Edeldomestike. Ähnlich wie 2005 ist er bisher nicht richtig in Tritt gekommen. Nennenswerte Ergebnisse blieben aus. Der 16. Platz bei der Tour de Suisse kann zwar nicht als Enttäuschung gelten, ist aber mit Hinblick auf die Frankreich-Rundfahrt doch als dürftig einzuschätzen. Vermutlich ist der Zahn der Zeit auch an dem Österreicher nicht spurlos vorbei gegangen. Dennoch kann man damit rechnen, dass er auch mal wieder verlängerten Ausgang bekommt, sprich: Die Wiederholung eines Erfolges bei einer Bergetappe wird ihm sicherlich erlaubt werden.

Dann wird sich wahrscheinlich Markus Fothen in der Nähe seines Chefs aufhalten. Der Kaarster brillierte bei seinem Debut beim Giro 2005. Dort belegte er den 12. Platz. Seither fehlt es allerdings an vergleichbaren Ergebnissen. In der neuen Saison trat er noch nicht in Erscheinung. Hier muss man dem jungen Mann die Daumen drücken, dass sich der behutsame Aufbau im Hinblick auf die Tour auszahlt.

 



Der Rest des Kaders

Beat Zberg erhielt den Zuschlag für die Teilnahme an der Tour. Seine Nominierung korrespondiert mit guten Leistungen und dem Sieg beim GP Kanton Aargau – Gippingen. Ferner erreichte er einen Etappenerfolg und den zweiten Gesamtplatz bei der Bayern-Rundfahrt den zweiten Gesamtplatz. Bei der Tour de Suisse verhinderte ein Sturz eine bessere Platzierung. Er soll sicherlich die Bergziegenfraktion verstärken. Es bietet sich an, ihn bei Ausreißergruppen mitzuschicken, um dann im Finale seinem Kapitän wichtigen Windschatten spenden zu können.

 

Für wichtige Dienste bei Flachetappen und mittelschweren Abschnitten sind Sebastian Lang und Ronny Scholz eingeplant. Eigene Erfolge werden die beiden kaum einfahren, da diese Kraft raubende Fahrweise große Sprünge nicht zulässt. Deswegen muss man damit rechnen, dass der starke Zeitfahrer Lang und Scholz dadurch auffallen, dass sie unauffällig agieren müssen.

 

Ganz anders verhält es sich es bei Fabian Wegmann. Der Münsteraner ist ein Kandidat für Fluchtgruppen, die reelle Chancen haben, ein derartiges Unterfangen erfolgreich zu bestreiten. Von ihm kann man so langsam erwarten, dass er bei solchen Anlässen auch mal den Sieg erzielt. Seine Lehrzeit ist vorbei. Wegen der Konzentration auf die Belange von Leipheimer wird man bei Gerolsteiner wohl nicht versuchen, Wegmann in den Kampf um das Bergtrikot zu entsenden. Wichtige Körner würden hierbei wahrscheinlich vergebens eingesetzt werden.

 

Auch zwei endschnelle Fahrer haben den Weg ins Aufgebot gefunden. Der Österreicher Peter Wrolich ist wieder dabei. Bereits im letzten Jahr glänzte er unverhofft mit einem zweiten Etappenplatz, als er eigentlich Robert Förster den Sprint anziehen sollte, dieser aber am Anfahrer nicht vorbeikam. Des Weiteren komplettiert David Kopp die Mannschaft. Der Bonner hat bei Gent-Wevelgem bewiesen, dass er auch im Schlussspurt Chancen hat. Bekannter ist er aber durch seine Beteiligungen an Fluchtgruppen geworden, die er nicht selten im finalen Sprint gewann.

 



Fazit:

Das Hauptziel wird darin bestehen, Leipheimer einen Platz auf dem Podium in Paris zu ermöglichen. Ganz optimistische Zeitgenossen trauen ihm den Gesamtsieg zu. Gerolsteiner wird höchstwahrscheinlich nicht so viele Etappenerfolge wie beim Giro feiern können. Dafür ist das Team zu sehr auf seinen Kapitän ausgerichtet. Sofern Leipheimer nicht selbst bei den Bergankünften Erfolge einfährt, muss man schon damit zufrieden sein, wenn überhaupt ein Tagessieg erzielt wird.

Dabei scheinen Siege bei Massensprintentscheidungen nicht primär beabsichtigt zu sein. Robert Förster als Fachmann für diese Art von Zielankünften ist nämlich nicht mit dabei. Anders als beim Giro wird die Konkurrenz auch bei der Schlussetappe noch so stark sein, dass ein Erfolg bei der Teamleitung nicht für sehr wahrscheinlich gehalten werden dürfte.

Wenn aber ein Fahrer wie Wegmann mal etwas auf eigene Faust probieren darf, dann dürfte sich bei einer erfolgreichen Fluchtgruppe eher mal die Möglichkeit auf einen Sieg ergeben.

 



Nicht dabei

Wie erwähnt geht Förster nicht an den Start. Zum einen hat er 2006 mehrfach unter Beweis gestellt, dass er noch nicht in der Lage ist, McEwen, Hushovd, Boonen, Bennati oder Freire ernsthaft zu gefährden. Förster wird seine Chancen bekommen – bei der Tour aber bekommt eine andere Ausrichtung Priorität, der er letztlich zum Opfer gefallen ist. Wohl auch, weil er nicht die Alternative im Sprint darstellt, die erforderlich wäre.

Ebenso muss sich ein anderer spurtstarker Fahrer erneut mit der Rolle des Zuschauers begnügen. René Haselbacher, der Spezialist für katapultartiges Spontanverlassen des Vehikels, fand keine Gnade bei der Nominierung. Sicherlich trug auch seine Aufgabe bei der Tour de Suisse zu dieser Entscheidung bei.

Stefan Schumacher, der beim Giro schon zwei Etappenerfolge feierte, wurde nicht zuletzt auf eigenen Wunsch geschont. Der Nürtinger hat eine Pause verdient, um bei weiteren Ereignissen der Saison wieder angreifen zu können.

Von den Schweizern hat nur Beat Zberg den Weg ins Team gefunden. Daheim bleiben müssen sein Bruder Marcus, Marcel Strauss und Sven Montgomery. Alle drei, obwohl vorzügliche Teamplayer, konnten sich nicht für das Aufgebot aufdrängen. 

  


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