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Venga! Venga! Venga!

Autor: 
Klaus Blume 
Titel: 
Venga! Venga! Venga! 
 
Die Macher des Radsports 
Verlag: 
covadonga, 2006 
Layout: 
223 Seiten, gebundene Ausgabe, Schwarz-Weiß- und Buntfotos 
ISBN-10: 
3-936973-22-9 
Preis: 
€ 17,80 


 

Das Buch wollte ich während der Tour de France 2006 lesen, doch die Lust verging mir nach dem Eklat um Fuentes, Saiz, Ullrich und Basso. Vermutete ich doch ein weiteres weichgespültes, harmloses Abhandeln bekannter Radsportpersönlichkeiten, ein Buch wie viele, in dem die Schattenseite dieses Sportes, die immer vorhandene Dopingrealität, wieder ausgeblendet würde.

 

Doch ich hatte mich getäuscht. Der Autor spricht häufig Klartext. Klaus Blume verschweigt nicht, dass Doping ständiger Karrierebegleiter war und ist und dass wohl jeder Teamverantwortliche, der früher selbst als Sportler aktiv war, mit Doping in Berührung kam, wahrscheinlich auch selbst gedopt hat und dass alle Sportlichen Leiter für den Sportbetrug mitverantwortlich sind. 

Das Dopingthema ist aber nicht Hauptthema dieses Buches, auch wenn es sich durch das gesamte Buch zieht und das letzte Kapitel davon beherrscht wird. Vielmehr sollen die Persönlichkeiten vorgestellt werden, die den ganzen Radsportbetrieb am Laufen halten, die Richtung vorgeben, die Fäden ziehen. Die sportlichen Leiter entdecken und fördern Fahrer, bestimmen mit, ob sie zu Helden werden, schreiben Renngeschichte, sei es durch einen besonderen Umgang mit den Akteuren, geprägt von einer herausragenden Persönlichkeit, sei es durch Auslotung psychischer, physischer und technischer Möglichkeiten, Taktik oder auch Ergebnisabsprachen, zumindest wird Letzteres durch vom Autor geschilderte Episoden nahegelegt.

 

Blume lernte im Laufe seiner langen Journalistentätigkeit wohl die meisten der sportlichen Leiter, die nach dem 2. Weltkrieg auf die Bühne traten, persönlich kennen. Viele erlebte er als aktive, oft auch erfolgreiche Fahrer. Er schildert ihren Werdegang aus ganz persönlicher Sicht, er verschweigt seine Sympathie und Antipathie nicht. Das gefiel mir beim Lesen. Manche Herren werden ausführlich, andere wieder nur kurz dargestellt, vollständige Portraits mit Lebensdaten sind es nicht, doch einzelne Tabellen zu ausgewählten Persönlichkeiten wie Rick van Looy, Guillaume Driessens, Peter Post und Walter Godefroot liefern Hintergrundmaterial. Weitere Einschübe von Sachinformationen listen u. a. die populärsten und erfolgreichsten Sportlichen Leiter auf oder nennt deren bekannteste Fahrer und Erfolge. Er stellt auch die Frage 'Warum sich Andy Rihs gegen den Radsport entscheiden musste' und erwähnt berüchtigte Dopingärzte sowie Dopingskandale.

 

Das Buch ist kurzweilig, gut gegliedert und mit vielen Bildern aufgelockert. Es scheint mir zwar hin und wieder etwas mit der deutschen Brille geschrieben zu sein und manches würde Blume vielleicht nach den Ereignissen rund um Fuentes so nicht mehr verfassen, aber das Buch lässt erkennen, dass der Profiradsport eine geschlossene Welt für sich ist und das Dopingproblem nicht verstanden werden kann, wenn, wie allgemein üblich, nur den Sportlern die Last der Verantwortung aufgebürdet wird. Deren Betrugs-Devianz erklärt sich vor allem aus der Außensicht des Beobachters, die Innensicht des Milieus beklagt als Fehlverhalten häufig nur das Sich-Erwischenlassen, die Omerta regiert. Entsprechend zitiert Klaus Blume Eric Boyer, heute Sportlicher Direktor von Cofidis: "Kein einziger aktiver Sportlicher Leiter hat jemals gesagt: 'Okay, ich habe mich geirrt. Seit 20 Jahren bin ich im Radsport beschäftigt, aber ich konnte es nicht verhindern, daher gehe ich.' Im Gegenteil, die Typen sind seit Jahren da, unverrückbar."

 

Allerdings drängte sich mir bei der Lektüre immer wieder eine Frage an den Radsport-Reporter auf, die ich mir jetzt nicht vergneifen kann: Wo blieben während der Jahrzehnte eure Berichte über das stets vorhandene und bekannte Doping und über andere Betrügereien wie Absprachen und finanzielle Arrangements?

 



von Maki, September 2006


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