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Fredy Budzinski

Titel:  
Fredy Budzinski 
 
Radsport-Journalist, Sammler, Chronist 
 
Schriftenreihe der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften der Deutschen Sporthochschule Köln 
Autorin:  
Renate Franz 
Layout: 
broschiert, 124 Seiten 
 
mit CD Bestandsverzeichnis Archiv Fredy Budzinski 
Verlag: 
Sportverlag Strauß 
ISBN-10:  
3939390437 
Preis: 
22,80 Euro 


 




Fredy Budzinski hatte sein gesamtes Leben dem Radsport gewidmet. Geboren 1879, zu einer Zeit, in der Rennen noch mit dem Hochrad gefahren wurden, erlebte er bis zu seinem Tode das Auf und Ab dieser Sportart während 90 Jahre. Kurze Zeit versuchte er sich selbst als Bahnfahrer und als Schrittmacher, bevor er seine eigentliche Berufung fand als Radsportjournalist und Chronist. Er gilt als einer der bedeutendsten Pioniere des Sportjournalismus. Ohne seine zahlreichen Veröffentlichungen, Berichte, Betrachtungen, Analysen und Statistiken wäre unser Radsportwissen heute um Einiges ärmer. Er sah sich allerdings auch als Schriftsteller, der gerne Gedichte schrieb.

Daneben engagierte er sich in Verbänden, organisierte Rennen - er gilt als Vater der deutschen Sechstagerennen - und setzte sich vehement für die Rechte der Rennfahrer und der gemeinen Radfahrer ein, denen von Behördenseite nicht selten erhebliche Beschränkungen auferlegt wurden. Es waren die Jahre nach der Jahrhundertwende, als ein wahrer Fahrradboom herrschte und der Radsport in Deutschland Hochkonjunktur hatte. Bis 1918 durchlebte Budzinskis wohl seine glücklichste Zeit, auch wenn die Kriegsjahre, er war an der Front, ihn zeichneten.

 

1919, 40 Jahre alt, heiratete er Erna Grau, eine Jüdin, 1921 wurde ihr einziges Kind, Sohn Klaus, geboren. Der berufliche Alltag gestaltete sich in der Nachkriegszeit schwieriger. Die gesellschaftlichen Bedingen hatten sich gravierend geändert. Wirtschaftlich lag das Land am Boden, der Radsport verlor an Attraktivität, das Fahrrad wurde durch das Motorrad und das Auto ersetzt und auch die Zeitungs- und Journalismuslandschaft wandelte sich schnell. Budzinski verließ 1924 die Rad-Welt, seine bis dato journalistische Heimat, und übernahm die Bundes-Zeitung des BDR, zusätzlich schrieb er für andere Publikationen. Damit lebte die Familie in sehr guten finanziellen Verhältnissen.

 

Als 1933 nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten der BDR aufgelöst wurde, sah sich der Radsportenthousiast bald ohne Arbeit. Der Profiradsport war am Ende aber schwierig wurde es für ihn vor allem durch seine jüdische Frau. Auch wenn die Ehe als 'privilegierte Mischehe' eingestuft wurde und sie vorerst nicht mit schweren Gefährdungen rechnen mussten, kam es doch zu Diskriminierungen. Seinem späteren Freund Carl Diem verdankte Ferdy Buszinski, dass er seinen Beruf weiter ausüben konnte und er 1936 in die Verwaltung des Organisations-Komitees der Olympischen Spiele übernommen wurde.

 

Nach dem Krieg widmete er sich erneut der Organisation von Radrennen und erhielt von der sowjetischen Besatzung den Auftrag, den Profi-Radsport neu aufzubauen. Die Zeiten ließen allerdings keine echte Renaissance des Radsports zu.

Budzinski versuchte sich weiter als Journalist und schrieb bis ins hohe Alter für verschiedene Zeitungen. Er musste jedoch erkennen, dass seine journalistische Zeit zu Ende ging und sein Bekanntheitsgrad geschwunden war.

 

Renate Franz, Radsporthistorikerin und Biografin von Albert Richter (Portrait und Buch), hat in umfangreicher Recherchearbeit das Leben dieses kaum noch bekannten, aber für den deutschen Radsport wichtigen Mannes nachgezeichnet. Mit vielen Anmerkungen werden die gesellschaftlichen und historischen Hintergründe vertieft und hinterfragt. Die private Persönlichkeit und der Charakter Budzinskis bleiben allerdings etwas undeutlich. Das mag daran liegen, dass er zwar ein riesiges Radsportarchiv aber kaum Persönliches hinterlassen hat. Aber vielleicht auch daran, dass sein Leben für den Radsport sein Denken und Handeln weitgehend beherrschte. Sein Sohn beschreibt ihn als liebevoll, "guten Kerl", von "handfester Intelligenz, wenn auch nicht lebensklug", dessen eigentliche Liebe dem Fahrrad gegolten habe. Er nennt ihn aber auch einen "politischen Idioten", der nicht erkannte, wohin der Nationalsozialismus Deutschland bringen wollte und sollte. Durchaus nationalkonservativ denkend, blieb Fredy Budzinski in Deutschland und versuchte sich und seine Familie zu beschützen. Eine ausdrücklich formulierte Gegnerschaft war da nicht möglich.

 

Die besondere Stärke dieser wissenschaftlich ausgerichteten, aber sehr gut lesbaren Biografie, liegt meiner Meinung nach in der Darstellung der Historie. Sie ist auch ein Geschichtsbuch. Der Band gibt einen guten Überblick über 90 Jahre deutsche Radsportgeschichte, einer Geschichte, die ohne die Betrachtung der politischen Entwicklungen in Deutschland wenig Sinn macht.

 

Siehe auch das C4F-Portrait Fredy Budzinski

 



Buchbeilage: Radsport-Archiv Fredy Budzinski auf CD

Fredy Budzinski besaß ein einmaliges Archiv an Fotografien und Texten. Er versuchte dies in den 50er und 60er Jahren zu verkaufen, doch niemand zeigte Interesse. Nach seinem Tod erwarb die Deutsche Sporthochschule in Köln den Schatz. Die Bücher und Zeitschriften gingen in den allgemeinen Bestand der Zentralbibliothek der Deutschen Sporthochschule über. Vor allem die Zeitschriften und Bände aus den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg sind für Radsport- und Fahrrad-Historiker von hohem Wert. Fotos und Zeitungsartikel stammen vorwiegend aus dem Zeitraum zwischen 1900 und 1945.




Der Budzinski-Biografie liegt eine CD bei, die ein Findbuch zu Budzinskis Archiv enthält. Dafür ordnete Renate Franz die Fotos, Artikel und sonstigen Dokumente neu und umschrieb sie.

 

Anmerkung: Wolfgang Gronen, dessen eigene Sammlung ebenfalls in Köln liegt, arbeitete mit Budzinski und dessen Archiv und konnte Vieles für sein gemeinsam mit Walter Lemke verfasstes Buch 'Geschichte des Radsports' verwenden.

 

 

Monika, Dezember 2007


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