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Peter Leissl: Die legendären Anstiege des Giro d'Italia

Autor: 
Peter Leissl 
Titel: 
Die legendären Anstiege des Giro d'Italia 
 
Von Abetone bis Zoncolan 
Verlag: 
covadonga, 2008 
Layout: 
170 Seiten, gebundene Ausgabe, meist farb. Abbildungen 
ISBN-13: 
9783936973372 
ISBN-10: 
3936973377 
Preis: 
€ 24,80 


 




Das Titelbild - Franco Chioccioli kämpft sich, den Kopf gesenkt, den schlammigen Weg hinauf zum Passo di Gavia beim Giro d'Italia 1988. Er ist gerade dabei, sein Rosa Trikot an Andrew Hampsten zu verlieren. Und er kann nur ahnen, welches Wetterinferno ihn an der Passhöhe erwartet. Ein Bild, dass das Herz des geneigten Radsportfans höher schlagen lässt - und Lust auf das Buch macht.

 

Vier Jahre nach "Die legendären Anstiege der Tour de France" veröffentlicht Peter Leissl ein entsprechendes Werk zur italienischen Landesrundfahrt. Ebenso wie beim Vorgänger widmet sich der Autor auch hier 20 Anstiegen, die in diesem Fall durch den Giro d'Italia Berühmtheit erlangten. Die Namen der Anstiege mögen dabei teilweise weniger offensichtlich und bekannt sein als die ihrer französischen Pendants. Dies liegt sicherlich an der höheren Popularität der "Grand Boucle", aber auch an der vom Autor erwähnten größeren Auswahl in Italien, die ein allzu häufiges Ansteuern bestimmter Anstiege automatisch verhindert. So kommt es dann auch dazu, dass mit dem Colle delle Finestre ein im Rahmen des Giro d'Italia erst einmal absolvierter Anstieg Einzug in die Liste findet. Dies jedoch sicherlich nicht unverdient.

 

Sehr ausführlich widmet sich Leissl jedem einzelnen Anstieg, von Abetone bis zum Monte Zoncolan. Dabei beschreibt er nicht nur Charakteristik der Steigungen und landschaftliche Gegebenheiten sehr bildhaft (und ausnahmslos aus eigener Erfahrung). Der geschichtliche Rahmen liegt Leissl ebenso am Herzen, und so erfährt der Leser, wie und wann die jeweiligen Anstiege Einzug ins Giro-Programm gefunden haben und welche entscheidenden Rennsituationen sich an den Rampen abspielten. Dabei beschreibt der Autor nicht nur die bekanntesten Ereignisse - Charly Gauls Solo zum Monte Bondone 1956, Wintereinbruch am Passo di Gavia 1988, Showdown am Colle delle Finestre 2005 usw. - sondern liefert zum jedem Anstieg einen umfassenden historischen Überblick. Dies macht das Buch auch und vor allem für den radsportgeschichtlich interessierten Leser lohnenswert, welcher bei der Lektüre abwechselnd in Erinnerungen schwelgen und sich - je nach Wissensstand - durch bislang unbekannte Geschichten beeindrucken lassen kann.

Ergänzt werden die Texte durch eine umfangreiche und ausgewogene Auswahl an historischen und gegenwärtigen Fotos sowie Steigungsprofilen und Satellitenbildern zu jedem Anstieg.

 

Als Bonus finden sich am Ende des Buches Kurzbeschreibungen zu nicht weniger als 40 weiteren Anstiegen, die bisher beim Giro d'Italia eine Rolle gespielt haben. Ob einer oder mehrere davon die ursprüngliche 20er Liste aufgewertet hätten, ist sicher Ansichtssache. Zum Abschluss liefert Leissl noch ein wenig obligatorische Statistik sowie eine Erläuterung der Bergwertung beim Giro d'Italia.

 

Gänzlich kritiklos lässt sich diese Rezension jedoch auch nicht abschließen. So sind manche historische Rennsituationen nicht korrekt wiedergegeben worden - beispielsweise hat Julio Perez Cuapio seine beiden Zähne sicherlich nicht durch den Kettenriss am Montevergine verloren. Kleine Fehler schleichen sich hier und da ein - Ruslan Ivanov ist trotz seines Vornamens kein Russe, und Marco Pantani hat 1994 in Meran gewonnen - nicht an der Skistation Meran 2000. Und dass Fabian Wegmann 2004 am Passo del Tonale 5 Bergpunkte erlangte, soll gern ausführlich gewürdigt werden - dass dieser Pass sogar einmal Bergankunft war (1997), wird hingegen leider verschwiegen.

Erwartungsgemäß spielt auch das Thema Doping eine untergeordnete Rolle. Die Meinung des Autors, dass die in der Vergangenheit erbrachten Leistungen kritisch-distanziert zu betrachten sind, ist dabei natürlich legitim. Leider lässt Leissl mehr als einmal nötiges Fingerspitzengefühl vermissen. Vor allem die wiederholten Verweise auf Jan Ullrich und den Fuentes-Skandal wirken deplatziert und hinterlassen einen etwas faden Beigeschmack - zumal man dem Leser zutrauen sollte, die entsprechenden Zusammenhänge selbst zu erkennen.

 

Alles in allem jedoch liefert Peter Leissl eine überzeugende, gut recherchierte Lektüre ab. Er hat jeden der Anstiege selbst befahren, was sicherlich mit nicht unbeträchtlichem Aufwand verbunden war. Zudem beweist er umfangreiches historisches Wissen und überzeugt mit durchaus kurzweiligem Schreibstil. Insgesamt kann man dem Buch das Prädikat "empfehlenswert" verleihen.

 

von checker, November 2008

 

 


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