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Nico Schneider




Team 
Team Differdange (Continental Team) 
Nationalität 
Deutschland 
Geburtstag 
26.05.1987 in Laufenburg 


Fragen & Antworten



© LinaM

Allgemeines

  1. Was hältst du vom Funkverbot? Und warum?
    Freut mich vor allem für gut funktionierende Teams, in denen alle Fahrer an einem Strang ziehen, auch ohne ständige Anweisungen vom Sportlichen Leiter. Allerdings werde ich genauso wie viele andere die hilfreichen und wichtigen Informationen zur Strecke und zum Rennverlauf vermissen. Außerdem erleichtert der Funk die Verpflegung enorm.

  2. Was hättest du beruflich gemacht, wenn du nicht Radprofi geworden wärst?
    Ich hatte noch keinen konkreten Plan parat, aber im Nachhinein würde ich mich gerne als Wintersportler, z.B. im Langlauf, versuchen.

  3. Bereitest du dich schon auf die Zeit nach der Karriere vor? Wenn ja, wie?
    Seit Oktober arbeite ich an der TU Darmstadt am Studium zum Wirtschaftsingenieur - Maschinenbau.

  4. Sollten sich die Fahrer mehr in die Radsportpolitik einbringen? Wenn ja, wie?
    Auf jeden Fall! Aber ich weiß selbst, wie schwierig es ist, konstruktive Anregungen oder Vorschläge durchzubringen. Zu oft ist es leider so, dass man bei Funktionären, Veranstalter oder Teamchefs nur auf Granit trifft. Dennoch finde ich die Funktion, wie sie z.B. momentan Jens Voigt ausübt, sehr gut, und wenn er genügend Unterstützung von seinen Kollegen bekommt ist es sicherlich auch erfolgreich. Das Wichtigste ist jedoch, dass die UCI und die nationalen Verbände größeren Wert auf die Meinung der Fahrer legen und deren Erfahrungen in ihre Planungen mit einbeziehen.

  5. Welche Rolle spielt Tradition im Radsport?
    Eine sehr große, wie man an vielen Veranstaltungen sieht. Aber einige Leute dürften ihre Ansichten auch gerne modernisieren, was z.B. die letzte Frage angeht. Die Zeiten ändern sich und man kann nicht endlos an alten Gegebenheiten festhalten.

  6. Hat dir der Profiradsport Illusionen geraubt, die du zu Beginn deiner Karriere noch hattest? Welche?
    Ja, durchaus. Es ist zwar ein tolles Gefühl die großen Rennen zu bestreiten und mit guter Form auch mithalten zu können, aber irgendwo sehe ich mit der Zeit immer deutlicher körperliche Grenzen, die ich nicht mehr nur mit Training durchbrechen könnte und zu anderem bin ich nicht bereit. Außerdem gibt es zu viele Leute im Radsport mit denen ich so meine Probleme habe, weil sie einfach nicht nach meinen Vorstellungen handeln. Es werden z.B. viel zu viele Versprechungen gemacht, die schlussendlich nicht gehalten werden. Auch der menschliche Aspekt kommt oft viel zu kurz und solche Dinge demotivieren dich als Radprofi öfter, als ich es vermutet hätte. Nichtsdestotrotz habe ich immer noch große Freude am Radsport, viele tolle Freunde kennen gelernt, viele Länder gesehen und u.a. auch meine Fremdsprachenkenntnisse verbessert.

  7. Vor welchem Akteur in der Radsport-Szene hast oder hattest Du am meisten Respekt?
    Jan Ullrich hat mich in seiner Art und Weise radzufahren begeistert und er war auch anfangs mein Vorbild.

  8. Was hat sich seit Beginn Deiner Karriere/in den letzten 5 Jahren im Radsport geändert?
    Das Material verbessert sich stets und finanziell veränderte es sich eher zum Negativen. Das Thema Doping ist heute in aller Munde. Oft sprechen mich Leute an, die denken ich dope, nur weil ich ein Radrennen mit 45 km/h fahre. Denen muss ich dann erklären, dass das mit genug Training und Leidenschaft fast jeder könnte. Die Unglaubwürdigkeit war vor 5 Jahren nicht so extrem.Viele Rennen wurden seitdem abgesagt und wenn ich vergleiche, wer vor 5 Jahren einen richtigen Profivertrag bekommen hat und wer heute einen bekommt, ist das schon enttäuschend. Aber das trifft einige meiner Altersgenossen. Was das angeht haben wir einfach etwas Pech, weil wir ein paar Jahre zu spät dran sind. Zudem ging mediale Aufmerksamkeit sehr stark zurück.

  9. Hast du einen Hund und wenn ja, wie heißt er?
    Nein





© LinaM

Sportliches / Zu Rennen

  1. Was sind Deine sportlichen Ziele für die Saison 2010?
    Ich möchte mit meinem neuen Team große Erfolge feiern. Wir sind sicherlich eine erfahrene Truppe und werden unseren Spaß haben. Was mich persönlich angeht, so möchte ich einige Rundfahrten möglichst gut bestreiten, an oberste Stelle steht da die "Skoda Tour de Luxemburg" und außerdem findet in Form der Deutschen Bergmeisterschaft dieses Jahr in meiner Heimat im Südschwarzwald bzw. dem Hotzenwald, ein Highlight statt

  2. Welches große Ziel möchtest Du in Deiner Karriere noch erreichen?
    Deutscher Meister werden.

  3. Wie sieht Deine Saisonvorbereitung für 2010 aus? Wo Trainingslager?
    Ich war über Silvester mit 4 Kollegen in Spanien an der Costa Blanca. Dort hatten wir ein schönes Haus zu Verfügung und super Bedingungen. Wegen des Studiums wird das aber das einzige Trainingslager dieses Frühjahrs bleiben. Ansonsten versuche ich, neben dem üblichen Straßen- und Rollentraining, mit Krafttraining meine Kraft und Grundlagen über den Winter aufzubauen. Die letzten Jahre habe ich auch viel Langlauf im Winter betrieben, was jetzt durch den Umzug nach Hessen leider nicht mehr der Fall ist.

  4. Wieviel Trainingskilometer fährst Du im Jahr?
    Reine Trainingskilometer waren es letztes Jahr ca. 17 000 plus 10 000 Rennkilometer. Dazu kommen noch etliche Stunden anderweitiges Training, insbesondere im Winter.

  5. Dein Lieblingsrennen?
    Tour Alsace

  6. Welchen Anstieg findest Du am schwierigsten, welchen am schönsten?
    Einer der schwierigsten ist sicherlich der "Mortirolo". Im Albtal, im Südschwarzwald gibt es aber einen brutalen Anstieg mit 24 %, der aber zum Glück nicht ganz so lange ist wie der italienische Klassiker. Schön finde ich fast alle Schwarzwaldberge, vor allem den Hochkopf. Aber mein Lieblingsberg ist wohl doch der Stelvio-Pass. Ich war in der Gegend schon oft im Höhentrainingslager und die Natur und die Aussicht auf fast 3000m über die 50 Serpentinen nach unten ist einfach einmalig.

  7. Welche Nahrungsergänzungsmittel nimmst Du bzw. ein Profi während einer dreiwöchigen Rundfahrt ein? Ein Tipp für Hobbyfahrer?
    Zur Regeneration und zum Muskelaufbau nehme ich nach Wettkämpfen und harten Trainingseinheiten einen Eiweißshake. Um Krankheiten und Mangelerscheinungen zu vermeiden, habe ich von meinem Ernährungsberater Roman Gruber einen Vitalstoffmix, der die wichtigsten Bestandteile meinem Körper auch bei den extremen Belastungen zuführt.

 

Doping

  1. Hältst Du es für eine gute Idee, im Rahmen der Dopingbekämpfung eine Nachkontrolle (rückwirkend z.B. der letzten 3 Jahre) der Dopingproben durchzuführen?
    Nein, denn das bring uns nicht weiter. Wir widmen lieber volle Kraft und alle finanziellen Mittel der Gegenwart und der Zukunft und ermöglichen so allen Jungendlichen so bald als möglich einen Einstig in einen annähernd dopingfreien Radsport. Die Vergangenheit sollten wir hinter uns lassen, da die gemachten Fehler nicht verbesserbar sind. Und so lange alle Dopingsünder wieder zurückkommen und alles wie vorher handhaben müssen, da sie ins gleiche System zurückkehren, was wiederum ihr eigener Wille ist, helfen uns alte positive Proben nicht weiter. Sie stellen den Radsport nur in ein schlechtes Licht anderen Sportarten gegenüber, in denen es aber genauso zu und hergeht, nur eben anders getestet wird.

  2. Hättest Du andere Ideen zur allgemeinen Dopingbekämpfung im Sport und Rückgewinnung der Glaubwürdigkeit? Wenn ja, welche?
    Zuallererst ist das ja kein radsportspezifisches Problem. Überall, sei es in der Politik oder Wirtschaft, wird genauso stark betrogen wie im Sport auch. Und was die komplette Bekämpfung angeht, sehe ich schwarz, da es in unserer Gesellschaft zu viele Menschen gibt, die bereit sind zu betrügen, und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. Medizinisch und technisch wird es im Sport wohl nicht möglich sein, saubere Leistungen zu garantieren, sprich: ohne dass jeder einzelne Sportler sich nicht selbst dafür in die Verantwortung nimmt, wird es das Dopingproblem immer geben. Die Glaubwürdigkeit des Radsport ist zum Glück schon am Tiefpunkt angelangt, so gesehen trifft es da eher die anderen Sportarten. Schlussendlich hast du es selbst in der Hand, wenn jeder sauberen Sport liefert, wäre das sofort sichtbar und die Glaubwürdigkeit würde demnach wieder steigen. Meines Erachtens bringt Prävention nichts, solange Sportler später vor der Wahl stehen, sich dem System anzupassen oder nicht. Deshalb sollte man dort beginnen mit der Bekämpfung, wo die hauptsächlichen Ursachen existieren.

  3. Wie gehst Du mit Fahrern um, die nach einer Dopingsperre zurück kommen?
    Sehr zwiespältig. Aber ich gehe ihnen eher aus dem Weg, als dass ich sie willkommen heiße. Einige, die dopen, sind sicher teilweise Opfer des Systems, aber eben nicht alle, weil das System ja auch nicht bei allen Fahrern greift. Ich unterstütze das nicht, wenn sie zurückkommen und so weiter machen wie zuvor. Sie sollten die Leute auch nennen, die die Fäden ziehen im Radsport, damit diejenigen aussortiert werden könnten, die uns das Ganze eingebrockt haben. Das ist selten die Schuld der aktuellen Fahrer, sondern die deren Chefs oder die so genannte Hintermänner. Ich dachte immer, Doping findet im Sport ab einem bestimmten Level statt, von wo an genug Geld mit im Spiel ist. Diese Theorie hat sich mit den Ereignissen in Rheinland-Pfalz im Amateurbereich und weltweit in den Seniorenklassen aber als unrealistisch herausgestellt. Und wenn jemand aus eigenem Willen und Handeln dopt, hat er keine zweite Chance verdient.

  4. Wie beurteilst Du die Rolle der Medien und Journalisten zum Thema Doping im Radsport? Siehst Du Unterschiede im Vergleich mit anderen Sportarten?
    Da sehe ich durchaus Unterschiede. Der Radsport hat die Rolle des "Dummen" eingenommen, dabei ist es in anderen Sportarten genau gleich. Es kann ja nicht angehen, dass der Radsport ausgeblendet wird und Boxen, Schwimmen, Leichtathletik oder Wintersport, wo beinahe jede Woche russische Sportler und Sportlerinnen positiv getestet werden, zeigt man munter weiter. Beim Fußball sind auch alle im Glauben er wäre sauber, obwohl es da auch genügend Gegenbeweise gibt, die aber niemand hören will. Vielleicht hilft es ja sogar dem Radsport, wenn er jetzt ganz unten durch muss! Lassen wir uns überraschen...




Wir danken allen Fahrern, die sich die Zeit genommen haben, uns zu antworten!

 

Für unsere Cycling4fans-Fahrerumfrage haben wir, wie schon 2002, einen Fragebogen an Fahrer geschickt, von denen uns eine Email-Adresse bekannt war bzw. über einen Formmailer der Homepage erreichbar waren.

 

Um Mißverständnissen vorzubeugen (wir sind nicht perfekt;)) und größtmögliche Authentizität zu gewährleisten, haben wir bei den ausländischen Fahrern unter der deutschen Übersetzung auch die Originalantworten in der jeweiligen Landessprache aufgeführt.



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