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28/02 2010

Grischa Niermann

Team 
Team Rabobank (ProTour) 
Nationalität 
Deutschland 
Geburtstag 
03.11.1975 in Hannover 
Homepage 


Fragen & Antworten



Grischa Niermann bei der WM in Mendrisio 2009 ©tusberg

Allgemeines

  1. Was hältst du vom Funkverbot? Und warum?
    Ich halte nicht viel vom Funkverbot, weil ich nicht glaube, dass es die Rennen verändern würde. Ich halte mich auch mit Funk nicht für einen vom sportlichen Leiter ferngesteuerten Fahrer, sondern für Jemanden, der im Rennen die Übersicht behält und taktische Entscheidungen trifft, über die dann allerdings via Funk Rücksprache gehalten wird.

  2. Was hättest du beruflich gemacht, wenn du nicht Radprofi geworden wärst?
    Ich hätte wahrscheinlich studiert und würde jetzt einen Job haben, der zumindest im weitesten Sinne mit Sport zu tun hat.

  3. Bereitest du dich schon auf die Zeit nach der Karriere vor? Wenn ja, wie?
    Ich habe vor zwei Jahren gemeinsam mit Thomas Ziegler und Roman Jördens in Hannover den Fahrradladen Saikls eröffnet. Meine eigene Zukunft sehe ich aber trotzdem eher direkt im Sport, am liebsten natürlich im Radsport. Ob als Manager, sportlicher Leiter oder auf einem ganz anderen Posten wird die Zukunft zeigen.

  4. Sollten sich die Fahrer mehr in die Radsportpolitik einbringen? Wenn ja, wie?
    Das ist schwierig, weil man sich als Radprofi natürlich extrem auf den Sport konzentrieren muss. Allerdings bin ich bei Rabobank Mitglied des "Rennfahrerrates" und da befassen wir uns auch mit der Radsportpolitik.

  5. Welche Rolle spielt Tradition im Radsport?
    Die Tradition spielt von daher eine Rolle im Radsport, als dass die Fans der traditionellen Radsportnationen (Holland, Belgien, Italien, Frankreich) ihren Sport nach wie vor lieben und nicht wie die Deutschen einer Person huldigen (Ullrich) und dem Sport nach dessen Fall den Rücken kehren.

  6. Hat dir der Profiradsport Illusionen geraubt, die du zu Beginn deiner Karriere noch hattest? Welche?
    Er hat mir vielleicht die Illusion geraubt, dass ich irgendwann einmal in Paris auf dem Podium stehen würde, weil ich davon als junger Rennfahrer geträumt habe. Ansonsten war ich in den letzten Jahren sicherlich häufiger an einem Punkt, an dem ich den gesunden Menschenverstand einiger ( leider zu vieler ) gedopter Kollegen vermisst habe.

  7. Vor welchem Akteur in der Radsport-Szene hast oder hattest Du am meisten Respekt?
    Ich habe am meisten Respekt vor meinem Teamkollegen Robert Gesink, weil er das größte Talent ist, das ich je erlebt habe. Er ist am Berg schon absolute Weltspitze und wird sicher noch besser werden und außerdem würde ich meine Hand für ihn ins Feuer legen.

  8. Was hat sich seit Beginn Deiner Karriere/in den letzten 5 Jahren im Radsport geändert?
    Ich bin mittlerweile nicht mehr das junge Rundfahrttalent, sondern mit 34 Jahren einer der Fahrer, die die Jüngeren anleiten und ihnen zur Seite stehen. Ausserdem hat sich im Kampf gegen Doping sehr viel (zum guten) verändert. Jeder Fahrer ist verpflichtet 24 Stunden am Tag seinen Aufenthaltsort anzugeben und die Anzahl der Kontrollen hat sich vervielfacht.

  9. Hast du einen Hund und wenn ja, wie heißt er?
    Caja ist eine neunjährige Golden Retriever Dame und der heimliche Chef im Hause Niermann.





Grischa Niermann bei der Tour de Neuss
©tusberg

Sportliches / Zu Rennen

  1. Was sind Deine sportlichen Ziele für die Saison 2010?
    Teilnahme an der Tour de France.

  2. Welches große Ziel möchtest Du in Deiner Karriere noch erreichen?
    Die Tour gewinnen (am liebsten mit Robert Gesink).

  3. Wie sieht Deine Saisonvorbereitung für 2010 aus? Wo Trainingslager?
    Unser erstes Trainingslager fand in der Nähe von Almeria statt, das zweite auf Mallorca.

  4. Wieviel Trainingskilometer fährst Du im Jahr?
    Rennen und Training zusammen ca. 35000 km.

  5. Dein Lieblingsrennen?
    Die Tour de France.

  6. Welchen Anstieg findest Du am schwierigsten, welchen am schönsten?
    Im Rennen gibt es keine "schönen Anstiege", dann tut es einfach nur weh. Ansonsten finde ich den Stelvio toll und denke, der Alto Angliru ist der schwerste, den ich je gefahren bin.

  7. Welche Nahrungsergänzungsmittel nimmst Du bzw. ein Profi während einer dreiwöchigen Rundfahrt ein? Ein Tipp für Hobbyfahrer?
    Ich nehme häufig Multivitamintabletten und vor allem Magnesium gegen Krämpfe.

 

Doping

  1. Hältst Du es für eine gute Idee, im Rahmen der Dopingbekämpfung eine Nachkontrolle (rückwirkend z.B. der letzten 3 Jahre) der Dopingproben durchzuführen?
    Ich hoffe und denke, dass das eine gute abschreckende Wirkung hat.

  2. Hättest Du andere Ideen zur allgemeinen Dopingbekämpfung im Sport und Rückgewinnung der Glaubwürdigkeit? Wenn ja, welche?
    Ich denke, der Radsport ist da auf einem guten Weg. Ich bin in den letzten beiden Jahres jeweils etwa 20 Mal zur Urin und 35 Mal zur Blutkontrolle gebeten worden. Ich glaube nicht, dass so eine Anzahl von Kontrollen in irgendeiner anderen Sportart an der Tagesordnung ist. Allerdings werde ich natürlich nicht nur von der UCI sondern sehr oft auch von der NADA kontrolliert und das ist nicht in jedem Land so.

  3. Wie gehst Du mit Fahrern um, die nach einer Dopingsperre zurück kommen?
    Auch wenn ich nicht über jeden Rückkehrer glücklich bin, so hat doch jeder eine zweite Chance verdient. Allerdings hoffe ich, dass diese Leute ganz besonders im Auge behalten werden und am besten jeden Tag zwei Mal zur Kontrolle müssen.

  4. Wie beurteilst Du die Rolle der Medien und Journalisten zum Thema Doping im Radsport? Siehst Du Unterschiede im Vergleich mit anderen Sportarten?
    Ich finde, dass der Radsport in Deutschland von den Medien absolut unfair behandelt wird, vor allem im Gegensatz zu Sportarten wie Fußball, Tennis oder Boxen, wo das Thema einfach kein Thema ist und es so auch Niemanden interessiert. Der Radsport ist (zurecht) zum Sündenbock geworden, aber alle Maßnahmen, die mittlerweile ergriffen wurden, werden nicht im geringsten gewürdigt. Für mich ist ein erwischter Rennfahrer ein Zeichen dafür, dass das Kontrollsystem Wirkung zeigt.




Wir danken allen Fahrern, die sich die Zeit genommen haben, uns zu antworten!

 

Für unsere Cycling4fans-Fahrerumfrage haben wir, wie schon 2002, einen Fragebogen an Fahrer geschickt, von denen uns eine Email-Adresse bekannt war bzw. über einen Formmailer der Homepage erreichbar waren.

 

Um Mißverständnissen vorzubeugen (wir sind nicht perfekt;)) und größtmögliche Authentizität zu gewährleisten, haben wir bei den ausländischen Fahrern unter der deutschen Übersetzung auch die Originalantworten in der jeweiligen Landessprache aufgeführt.



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