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Unter Engeln und Kannibalen

Titel: 
Unter Engeln und Kannibalen 
Autor:  
Helmer Boelsen 
Verlag:  
ISBN:  
3-936973-02-4 
Preis:  
€ 19,80 


 

 

Was für ein Buch ist es ?

 




Ein persönlicher Rückblick auf 50 Jahre Radsportreporterdasein, ein Buch voller Erfahrungen, Anekdoten, Gedanken, Portraits von ‚Weggefährten’?

 

Oder ist es eher ein Querschnitt durch die deutsche Radsportgeschichte?

 

Mir scheint, es ist von beidem etwas aber keines ganz.

 

Helmer Boelsen kam eher zufällig zu seinem Beruf, vorgegeben war eine andere Laufbahn. Doch einmal in den Redaktionen angekommen und als Radsportberichterstatter eingesetzt, hatte er seine berufliche Bestimmung gefunden. Der Reporter Frankfurter Zeitungen, besonders der Frankfurter Rundschau, kannte die Hessische Radsportszene, sowohl der Bahn als auch der Straße, in und auswendig, war sogar für kurze Zeit nach dem Krieg verantwortlich im Hallenradsport tätig, schied aber wegen Querelen mit dem Verband aus. Die Hallenbahnradszene war vielfältig, eine Menge kleinerer Rennen erfreuten sich eines großen Publikumszuspruchs, dieser Radsport war beliebt. Seine Schilderungen jener Zeit  sind eine kleine, oft  melancholische Hommage an die vergangenen Tage des Bahnradsports.

 

H. Boelsen wiederholt nicht längst bekannte Episoden oder Duelle, sondern gibt sein Insiderwissen weiter. Er schildert mit ganz persönlichem Blick die Entwicklung von Sportlern, berichtet von kleinen unspektakulären Begebenheiten, die zum Verständnis der Fahrerpersönlichkeit, seines Umfeldes und der Zeit beitragen. Es kommen Menschen zu Ehre oder werden zumindest erwähnt, die den deutschen Radsport mitgeprägt haben, regional von Bedeutung waren und vielleicht auch noch in ihren Vereinen sehr bekannt sind, die aber sonst aus dem Bewusstsein der breiten Bevölkerung verschwanden. Er erinnert daran, dass Radsport auch in Deutschland eine gewisse Tradition hat.  

  

Er ist ein ruhiges, leises Buch. Es zeugt von tiefer Verbundenheit diesem Sport, der Radsportbasis gegenüber, es zeugt von seiner Zugehörigkeit zu dem Milieu, er versucht aber sich eine Distanz und  Kritikfähigkeit zu erhalten. Gut deutlich wird diese Haltung an seinem Portrait über Dietrich Thurau, die Schilderung dessen Werdegangs ist sehr lesenswert, ebenfalls sein liebe- und respektvoller Beitrag über Gustav Kilian, dessen Name sicher noch viele kennen, dessen Siegfahrer aber schon weitgehend vergessen sind. Er scheute sich einst auch nicht, sich offensiv für  das Rennen ‚Rund um den Henninger Turm’ einzusetzen und es sich mit Hein Verbruggen, dem UCI-Chef, zu verderben.

 

Einige Beiträge haben zwar eher den Charakter einer Geschichtschronik, als wolle Boelsen mit diesem Buch die deutsche Radsportgeschichte abdecken, dadurch wirkt das Ganze etwas uneinheitlich, auch der Text über Eddy Merckx passt nicht ganz zum übrigen, doch insgesamt gesehen ist ihm eine wertvolle Fundgrube für all diejenigen gelungen, die ein wenig in die Historie des deutsche Radsports nach dem zweiten Weltkrieg abtauchen möchten (besonders wenn sie aus Hessen kommen). Ausgestattet ist das Buch mit vielen Schwarz-Weiss-Photos, u.a. von Hans ‚Hennes’ Roth. 

 

Zur Person Helmer Boelsen:

Seit 1947 freier Journalist, von 1963 bis 1965 Redakteur für die Sport-Illustrierte, München, 1966 Pressechef der Radweltmeisterschaft in Köln und Frankfurt.  1968 - 1971 Sportredakteur bei United Press International (UPI), Frankfurt danach bis zu seiner Pensionierung 1990 Sportredakteur bei der Frankfurter Rundschau, später freier Journalist.

 

 

Beitrag von maki

 


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