Headstart – Ein Kopfmensch fährt Rad

ein cycling4fans blog von le coq sportif

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts

Sonntag 6. Dezember 2009 von le_coq_sportif

Well my heart, it don’t beat, it don’t beat the way it used to
And my eyes, they don’t see you no more
(The Killers, ”For Reasons Unknown“)

Zurzeit läuft die Gutmenschin Kopfmenschin ja mehr, als dass sie radfährt. Das liegt vor allem daran, dass die gelaufene Minute zwar weniger Winterpokal-Punkte, dafür aber mehr Kondition bringt im Vergleich zur gefahrenen. Diese einfache Rechnung haben schon viele gemacht: Beim Laufen kriegt man einfach mehr für sein Geld seinen Aufwand. Mein Pulsmesser kriegt zum Beispiel viel mehr Herzschläge, weswegen ich ihn gleich zuhause lasse. Ich möchte nicht auch noch in digitalen Ziffern dokumentiert sehen, wie nahe an der Kotzgrenze ich mich regelmäßig bewege. Dabei fühle ich mich aber ungefähr so elegant und wendig wie die USS Alabama, die die Hauptrolle in dem U-Boot-Film Crimson Tide spielt, mit dessen Soundtrack ich versuche, meinem Stolpern ein wenig Rhythmus zu verleihen. (Eine der schönsten Szenen dieses Films - abgesehen von der, in der sich Denzel Washington und Gene Hackman anspucken - ist übrigens, wie Denzel Washington auf hoher See (oder heißt es bei U-Booten ‚auf tiefer See‘?) joggenderweise die Stege des U-Bootes entlangbrettert. Ein Einsatz auf einem Atom-U-Boot ist also auch keine Entschuldigung, das Training schleifen zu lassen.)

Aus verschiedenen Gründen laufe ich momentan ohne Sehhilfe. Das hat - erstaunlicherweise - einige Vorteile, weswegen ich es habe einreißen lassen. Nicht nur ist man von rutschenden Augengläsern befreit und von dem Ärger, teure Ein-Tages-Linsen nur für den Bruchteil eines solchen getragen zu haben. Man sieht einiges nicht. Und das kann überraschend befreiend sein. Wie schön ist es doch, kackende Hunde und pinkelnde Männer nur ungenau wahrzunehmen. Oder das hämische Grinsen/den mitleidigen Ausdruck (Unzutreffendes bitte streichen) auf den Gesichtern der entgegenkommenden Profiläufer erst dann zu erkennen, wenn man schon fast an ihnen vorbei ist. Gleichzeitig bin ich nicht so blind, dass ich einen Zusammenstoß mit einem der vorgenannten Exemplare nicht verhindern könnte. Auch das funkelnde Rheinpanorama nehme ich wahr, und den knackigen Hintern des Läufers in der roten Hose (der dann aber doch leider zu schnell ist, als dass ich den Abstand lange kurz genug halten könnte, um den Ausblick länger zu genießen). Unlängst habe ich auch eine Freundin erkannt, die mir entgegenkam, sogar schon von weitem.

Ich laufe (und fahre Rad), um den Kopf freizukriegen. Dabei einen der Sinne auf das Nötigste zu reduzieren, macht den Tunnelblick umso einfacher. Auf dem Rad würde ich mir aber nie erlauben, kurzsichtig zu fahren. Überhaupt habe ich erst entdeckt, dass ich kurzsichtig bin, als ich nach längerer Zeit wieder mit dem Radfahren anfing. Insofern - ich wage es kaum auszusprechen - ist das Laufen dem Radfahren hier eindeutig überlegen. Herrje, am Ende wird da doch noch ein Marathon draus.

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Warum Jan Plewka doch nicht recht hat

Sonntag 23. August 2009 von le_coq_sportif

Es gibt Lieder, die man gleichzeitig großartig und gleichzeitig eigentlich total doof findet, weil sie großartige und eigentlich total doofe Momente vereinen. Die Band Selig hat erstaunlich viele Lieder produziert, die für mich in diese Kategorie fallen; so zum Beispiel der Opener ihres selbstbetitelten Debütalbums, «Sie hat geschrien». Während ich immer noch unschlüssig bin, ob ein Lied über Kindesmissbrauch (oder vielleicht habe ich da was falsch verstanden) so einen unerhört sexyen Drive haben darf, hält meiner Meinung nach nicht das ganze Lied, was der geniale Anfang verspricht. Man fühlt sich fast im Stich gelassen, wenn der Gesang einsetzt, und obendrein bewegt sich die Nöligkeit von Jan Plewkas Gesang hier mitunter an der Grenze zum Erträglichen.

Aber – und ich werde die Kurve zum Radsport noch kriegen – das Lied enthält eine meiner liebsten Stimmungshebungsstellen (Und ich weiß, dass man sie eigentlich nicht auf so grobe Weise aus dem Zusammenhang reißen sollte, aber so sind Rezipienten halt, sie machen mit “Texten”, was sie wollen.), wenn es heißt: «Schau nach oben/Dort warten sie/Im Paradies/Sie singen und sie tanzen/Sie lieben sich/Es ist besser als hier». Als Heidin kann ich mit so viel christlicher Transzendenz natürlich nichts anfangen, aber die Stelle gab mir trotzdem immer Hoffnung auf eine bessere Welt, wenn mir die vorhandene gerade nicht gefiel.

Aber, und jetzt kommt die Kurve zum Radfahren: Wenn ich mit Eddy zur Arbeit fahre, und morgens um acht die Sonne im Rhein glitzert, weiß ich plötzlich, dass das Schicksal es hier und jetzt, im Großen und Ganzen gut mit mir meint. Auch wenn es nur 11° Grad sind, der Wind wie immer von vorne kommt und meine selbstgebräunten Beine gänsehäuten, kann ich Jan Plewka aus vollem Herzen widersprechen: Das Paradies ist hier unten, und es hat zwei Räder.

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Hallo?

Sonntag 12. Juli 2009 von le_coq_sportif

Hallo Welt!

So begrüßt man als Blogger seine neuen Leser, habe ich kürzlich gelernt. Also will ich das auch tun.

Ein großes Mitteilungsbedürfnis hatte ich immer schon, und so ist es eigentlich merkwürdig, dass dies tatsächlich mein erster Blog ist. Und der handelt ausgerechnet noch vom Radfahren … dabei bin ich in der Grundschule beim Völkerball schon immer als letzte ausgewählt worden. Auf 50 m lief ich so schnell wie andere auf 100. Schwimmen habe ich mit zwölf gelernt. Was zum Teufel will ich mit Sport?!

Betrachtungen über diese und andere Fragen, die irgendwie mit zwei nicht motorisierten Rädern zu tun haben, möchte ich in den kommenden Einträgen mit dem geneigten Leser teilen. Ich hoffe, dass der ein oder andere im Lesen das Vergnügen findet, dass ich am Schreiben habe.

Auf bald Welt,
Deine Kati

PS.  Herrje. Ich hätte mir doch einen anderen Titel für diesen Blog überlegen sollen … DrecksNeueRechtschreibung!

PPS. Ha! WENN MAN ALLES IN VERSALIEN SCHREIBT, FÄLLT ES GAR NICHT AUF, DASS DAS ‘R’ GROSSGESCHRIEBEN IST!!! HA!

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