Warum Jan Plewka doch nicht recht hat
Sonntag 23. August 2009 von le_coq_sportif
Es gibt Lieder, die man gleichzeitig großartig und gleichzeitig eigentlich total doof findet, weil sie großartige und eigentlich total doofe Momente vereinen. Die Band Selig hat erstaunlich viele Lieder produziert, die für mich in diese Kategorie fallen; so zum Beispiel der Opener ihres selbstbetitelten Debütalbums, «Sie hat geschrien». Während ich immer noch unschlüssig bin, ob ein Lied über Kindesmissbrauch (oder vielleicht habe ich da was falsch verstanden) so einen unerhört sexyen Drive haben darf, hält meiner Meinung nach nicht das ganze Lied, was der geniale Anfang verspricht. Man fühlt sich fast im Stich gelassen, wenn der Gesang einsetzt, und obendrein bewegt sich die Nöligkeit von Jan Plewkas Gesang hier mitunter an der Grenze zum Erträglichen.
Aber – und ich werde die Kurve zum Radsport noch kriegen – das Lied enthält eine meiner liebsten Stimmungshebungsstellen (Und ich weiß, dass man sie eigentlich nicht auf so grobe Weise aus dem Zusammenhang reißen sollte, aber so sind Rezipienten halt, sie machen mit “Texten”, was sie wollen.), wenn es heißt: «Schau nach oben/Dort warten sie/Im Paradies/Sie singen und sie tanzen/Sie lieben sich/Es ist besser als hier». Als Heidin kann ich mit so viel christlicher Transzendenz natürlich nichts anfangen, aber die Stelle gab mir trotzdem immer Hoffnung auf eine bessere Welt, wenn mir die vorhandene gerade nicht gefiel.
Aber, und jetzt kommt die Kurve zum Radfahren: Wenn ich mit Eddy zur Arbeit fahre, und morgens um acht die Sonne im Rhein glitzert, weiß ich plötzlich, dass das Schicksal es hier und jetzt, im Großen und Ganzen gut mit mir meint. Auch wenn es nur 11° Grad sind, der Wind wie immer von vorne kommt und meine selbstgebräunten Beine gänsehäuten, kann ich Jan Plewka aus vollem Herzen widersprechen: Das Paradies ist hier unten, und es hat zwei Räder.
Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 23. August 2009 um 19:29 und abgelegt unter Radfahren, Und sonst. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.